Mittwoch, 13. Oktober 2021

Die Vögel stehen günstig - ein Herbstspaziergang auf dem Feld.

Langsam wird es herbstlich, also geht frau mal raus aufs Feld gucken, ob sich Getier zum Fotografieren findet. Wenn nicht, hat man immerhin Chancen auf schöne Herbstmotive. Fangen wir mit einer knittrigen Mohnblume an, damit man schonmal ein schönes Motiv als ersten Erfolg hat.
Ich begebe mich zum Bach, dort ist es inzwischen matschig, und daher sind nicht mehr so viele Menschen unterwegs wie im Sommer, die die Tierwelt, schon bevor meine Anwesenheit stört, aufscheuchen. Das Kaninchen scheuche ich jedoch selber auf, und es ist auch zu schnell weg für die Kamera. 
Läuft. 
Zumindest das Tier. 
Ich wandere leise am Bach entlang, und irgendwann wird meine Vorsicht belohnt und ein Stieglitz wagt sich zum Baden an den Bach.

Vorsicht, könnte kalt sein.
Ob es wirklich zum Baden taugt...
Uiuiui vielleicht ist es doch zu kalt.
Jap. Kalt.

Letztendlich traut man sich dann aber doch...

...aber es ist schon irgendwie frisch.

"Sagen Sie mal, fotografieren Sie mich etwa beim Baden?"
...egal.





"Sie fotografieren mich doch beim Baden..."
"Unverschämtheit!!!"
"So nicht! Tschö."
 
Ich setze meine Runde fort, allein schon um den Schlamm von den Schuhen abzulaufen, schließlich müssen die demnächst in den Koffer. Bezüglich meiner Fotomotive schwanke ich zwischen Optimismus und "Badender Stieglitz ist Glücksfall genug, jetzt kommt nichts mehr.". An der Stelle, an der ich sonst IMMER, wenn ich keine Kamera dabei habe, mindestens einen Reiher sehe, sind die Reiher heute wie immer bei meinen Fotospaziergängen kurzfristig ausgestorben. Ich drehe weiter meine Runde ums Landschaftsschutzgebiet und, bevor ich anfange, mich zu langweilen, mache ich mal wieder ein schönes Herbstblumenfoto. Diesmal eine Ringelblume:
Ich umrunde das Naturschutzgebiet, und außer viel Geraschel im Gebüsch durch aufliegende Vögel tut sich nichts. Wäre ja auch übertrieben, ein Vogelfoto mit leuchtend roten Herbstbeeren zu machen. Auf dem Rückweg fange ich an, mich zu langweilen, und komme auf die seltsame Idee, orange (Stichwort: Herbstfarben) Nacktschnecken auf dem Weg zu fotografieren.
Bei dieser bin ich mir nicht sicher, ob sie ihren überfahrenen Kameraden betrauert oder auffrisst. Ich halte das Foto für preisverdächtig in der Kategrorie "Bizarrer Alien Horror".

Für den gemäßigteren Fotografen oder Leser gibt es auch einfach nett über den Weg kriechende Nacktschnecke.


 
Meine Verzweiflungstat wird durch laute Raubvogelrufe unterbrochen. Gottseidank, ein Turmfalke kreuzt meinen Weg.
Nachdem ich mich beim Fotos Bearbeiten frage, was mit den Füßen des Vogels nicht stimmt, schaue ich genauer hin und stelle fest, es sind nicht seine Füße, sondern die Füße seiner Beute, die da unter seinen baumeln. Vermutlich hat man sich unmittelbar vor dem Vorbeiflug eine Maus gefangen. Sei ihm (oder ihr) vergönnt.

 
Eigentlich bin ich inzwischen mit meiner Ausbeute recht zufrieden, langsam wird der herbstliche Wind auch recht frisch, und ich trete den Heimweg an. Auf halber Strecke vernehme ich den mir inzwischen doch recht bekannten Schrei eines empörten Reihers, der kurz darauf in mein Blickfeld und danach in eine bereitstehende Birke fliegt.
Ein Reiher im Baum ist natürlich ein nicht ganz so alltägliches und daher auch noch erfreulicheres Motiv als ein Reiher auf dem Feld.
"Hallo Sie, was machens bittschön da unten mit dem großen schwarzen Rohr????"
Danach fängt es furchtbar in Baum und Reiher an zu rascheln, und es macht es den Eindruck, als würde irgend etwas ganz furchtbar schiefgehen.

Offenbar handelt es sich hier aber weder um einen Unfall noch um einen Absturz (zumindest schafft es der Reiher irgendwann überzeugend, diesen Eindruck zu erwecken), sondern er versucht zu starten.
Majestätisch breitet der elegante Vogel, der vor Sekunden noch am Rande des Absturzes stand, seine großen Schwingen aus...
... und fliegt davon.
Aufgrund der Haltung des Halses beim Flug wird der Reiher bei den kanadischen Natives auch "Broken Neck Bird" genannt. Vielleicht ist das auch nur die nette Erklärung, und eigentlich kommt der Name daher, dass einige Reiher sich bei Abstürzen beim Versuch, aus Bäumen zu starten, das Genick brechen. 
Ich mache mich jetzt jedenfalls nach einer erfolgreichen Fotorunde auf den Heimweg und beschäftige mich mit der Frage, wie ich meine Wanderschuhe sauberbekomme, bevor sie in den Koffer müssen.

Samstag, 9. Oktober 2021

Wanderung bei Königswinter: Petersberg, Stenzelberg, Weilberg, Kloster Heisterbach

Zwecks Zeitüberbrückung bis zum zeitnah anstehenden Kanada-Urlaub hat frau vor einiger Zeit in der Alltrails-App gestöbert und ist auf eine Wanderung in Königswinter mit dem wenig reizvollen Titel "Nonnenstromberg ab Kloster Heisterbach" gestoßen. Die Fotos mit wilden Felswänden wirkten aber interessant, 9 km mit 250 Höhenmetern klangen nach angenehmer Samstagsnachmittags-Wanderung. Da heute der Wetterbericht sowie der Blick aus dem Fenster goldenes Oktoberwetter vom allerfeinsten verspricht, gondeln wir also nach Königswinter, wo wir zunächst der Stadt 4 € spenden, da uns das Navi aus unerfindlichen Gründen zum Parkplatz der Drachenfelsbahn anstelle des Klosters Heisterbach führt. Da der Gatte noch vor einer ersten räummlichen Orientierung den Parkschein gezogen hat, fällt der Fehler auch erst nach Kauf auf und daher sehen wir es als großzügige Spende an, während wir die Weiterfahrt zum korrekten Parkplatz antreten. Dieser ist aufgrund des schönen Wetters und diverser Hochzeitsfeierlichkeiten im Kloster bereits überfüllt, aber frau hat auf dem Weg zum Klosterparkplatz einen Abzweig zum Waldfriedhof gesehen. Dieser liegt etwa in die richtige Richtung, und wo Waldfriedhöfe sind, sind in der Regel auch Parkmöglichkeiten. So ist es, und tatsächlich findet sich auch hier ein "Einstieg" in die Wanderung, der maximal einen Kilometer Umweg bedeutet und uns dann eben später am Kloster vorbei und zunächst mit etwa 200 Höhenmetern Aufstieg zum Petersberg führt. War der Aufstieg nicht allzu überlaufen, finden wir hier oben eine bunte Mischung aus Jungesellenabschied, Wanderern, Studenten, Motoradfahrern, Rentnertouren, und auch einen Kegelclub würde ich nicht vollständig ausschließen. Außerdem befindet sich hier das Hotel Petersberg, das ehemalige Gästehaus des Bundes. Die vorgelagerte Aussicht ist allerdings auch nicht zu verachten, noch dazu relativ ungestört, da der Biergarten die gleiche Aussicht inklusive kühler Getränke bietet. Nach etwa 3 km brauchen wir noch keine Erfrischung, aber ein schönes Foto vom Rheintal mit Drachenfels (links im Bild) kann man ja trotzdem mal machen.

Gegenlicht. Ich mag es einfach.
Unser Weg führt uns über das Hotelgelände an der katholischen Wallfahrtskapelle St. Peter vorbei. Schönes Motiv:
Die Tür ist offen, und so werfen wir einen Blick und die Kamera für ein Foto in die Kapelle.
Weiter geht es, wir folgen mit Hilfe der Online-Karte dem nicht immer optimal beschilderten Weg im Zickzack über die Zufahrt zum Hotel, vorbei an einer Gruppe leicht angesäuselter, lautstark von Aperol und Glitzersekt bei der nächsten Einkehr schwärmenden Damen und entscheiden uns dank Karte für einen anderen Abzweig. Kein Glitzersekt für uns Spaßbremsen. Nach etwa 5 km Strecke erreichen wir eine etwas abgelegene Bank mit ein bisschen Aussicht, 15 Uhr ist auch die perfekte Zeit für ein Stück selbstgebackenen Apfelstreusel mit Aussicht aufs Siebengebirge.
Frisch gestärkt folgen wir dem weiteren Waldweg und gönnen uns noch einen kurzen Aufstieg zur Burgruine Rosenau. Hier ergibt sich trotz der schön zu erwandernden Landschaft kein allzu spannendes Fotomotiv und so bleibt die Kamera im Rucksack, bis wir auf unserem weiteren Weg an einer lichten Stelle einen schönen Blick auf den Rhein und Bonn erwischen.
Bis hierhin ahnen wir nicht, was uns noch für ein landschaftliches Highlight bevorsteht. Ich hatte zwar in der Tourenplanung spektakuläre Fotos von Felswänden gesehen, aber zum aktuellen Zeitpunkt habe ich diese gar nicht mehr auf dem Schirm. Um so erfreuter sind wir, als wir auf diesen Anblick treffen:
Es handelt sich hierbei um den "Stenzelberg" eine Quellkuppe vulkanischen Ursprungs. Er wurde vom 11. Jahrhundert bis 1931 als Steinbruch genutzt und ist jetzt ein Trockenbiotop (Quelle: Wikipedia). Gerade mit den Herbstfarben und den Steilwänden ist es ein tolles Fotomotiv, um das uns unsere Route auch großzügig herumführt.






Nach einigen Serpentinen im Wald und der Querung der L268 laufen wir noch einen kleinen Umweg zum Weilberg, unverkennbar ein ehemaliger Basaltsteinbruch mit sehr ansehnlichen Basaltsäulen und einem kleinen, im Schatten liegenden Kratersee am Fuß der Steilwand.
Nach etwas mehr als einem Kilometer treffen wir nun auf den ursprünglich geplanten Startpunkt unserer Wanderung, das Kloster Heisterbach. Trotz vieler Menschen und Hochzeitsgesellschaften bieten sich sehr schöne und relativ ungestörte Fotomotive, zum Beispiel die Ruine des Chors der ehemaligen Klosterkirche.
Wenn man sich zum fotografieren leicht seitlich stellt, verschwindet auch die gerade ihr Kleid sortierende Braut rechts ausreichend hinter einer Säule. Auch die neueren Gebäude bieten noch ein paar schöne Ansichten.

Wenn man sich günstig stellt, scheint die Spätnachmittags-Sonne genau durch das kleine Glockentürmchen auf dem Dach des Gebäudes rechts. Genau mein Geschmack als Fotomotiv, sogar mit Flugzeug:
Nach einem kleinen Irrweg finden wir auch den Rückweg zu unserem Parkplatz am Waldfriedhof und so kommen wir mit einigen zusätzlichen Abzweigungen (gewollt und ungewollt) am Ende auf einen Weg von gut 13 km. Es war ein sehr schöner Wanderweg mit angenehmen Steigungen und Gefällen - nur der Abstieg beim Rundweg um die Burgruine Rosenau war extrem steil, aber man hätte auch den Hinweg problemlos zurücklaufen können. Der Weg war auch nicht zu überlaufen, auch wenn man nirgends einsam war. Voll war es nur an den einschlägigen Einkehrmöglichkeiten, ansonsten verlief es sich weitgehend.

Dienstag, 14. September 2021

Die Route steht, wir können nur rund.

Da wir ja dieses Mal nur eine Woche unterwegs sein werden, geht die Planung recht schnell. Zumal ja nur eine Woche in Montreal geplant ist. Hierfür verschafft sich frau mal eben einen Überblick in diversen Reiseberichten. Irgendwie gibt es ja in der Gegend nicht nur Montreal, sondern auch Nationalparks, Québec im Norden, Ottawa im Westen... 
 
Nachdem der Gatte die Idee hat, man könne ja noch einen Besuch in Québec mit einplanen, das seien ja nur etwa 250 km, ist es um mich geschehen. Ich kann einfach keine reinen Städtetrips planen. Selbst wenn ich solche plane, funktioniert es nicht. Fuhren wir doch 2017 bei "2 Tagen Niagarafälle" am Ende an einem Tag nach Niagara on the Lake und am zweiten ein bisschen am Eriesee herum. Eigentlich ist mir auch klar: Eine Woche in der selben Stadt, dafür bin ich nicht so wirklich gemacht. Wozu auch, wenn man noch einen Nationalpark besuchen, am Sankt-Lorenz-Strom entlangschaukeln und Québec besuchen kann. So entsteht eine Route, die irgendwie an ein aus dem Sankt-Lorenz-Strom auftauchendes U-Boot erinnert:
(Karte erstellt mit https://www.google.de/maps)
 
Geplant sind drei Nächte Montreal, zwei Nächte im La-Mauricie-Nationalpark sowie zwei Nächte Québec. Jetzt geht es noch ein bisschen an den Feinschliff, das ist allerdings dann eher Beschäftigungstherapie für die kommenden Wochen, die meisten Sehenswürdigkeiten sind wohl schon notiert.

Mittwoch, 8. September 2021

Be Prepared: Wie kommt man am schnellsten von Singapur nach Montreal?

 ...ganz klar: über Toronto.

Wie der geneigte Leser inzwischen weiß, sind wir stets vorbereitet, zu allem bereit und zu (fast) nichts zu gebrauchen. Also ist es auch nicht so wahnsinnig tragisch, wenn wir öfter mal nicht da sind. Eigentlich hatten wir ja dieses Jahr nichts größeres geplant. Auch wenn der Gatte immer mal von Weihnachtsshopping in New York oder Toronto sprach. Wäre ja irgendwie auch übertrieben. Dummerweise hat frau heute Nachrichten gelesen. Dort stand, dass Singapur wieder für deutsche Touristen quarantänefrei öffnet. Frau schlägt vor, im Oktober doch noch eine Woche nach Singapur zu fliegen. Hätte ja auch mal was. Der Gatte ist skeptisch (man kennt das ja...), er findet 14 Stunden Flug für eine Woche etwas viel. Ist auch irgendwie verständlich, auch wenn man ja beim Rückflug wieder Zeit gewinnt. Aber, immerhin, wir sind im Gespräch. Der Gatte erwähnt, dass er ja grundsätzlich einer Kurzreise gegen Ende des Jahres nicht abgeneigt sei. Er macht den Fehler, erneut Weihnachtsshopping in Toronto zu erwähnen. Aber wozu Weihnachtsshopping, wenn man auch schon im Oktober, wo das Wetter noch nicht ganz so schlecht ist, fliegen kann. Ich frage vorsichtig, ob er denn noch eine Woche Urlaub übrig hätte, er bejaht und ich schaue (wie immer GANZ unverbindlich nach Flügen). Ziemlich teuer und wenig Auswahl... ich probiere hin und her und verschiedene Kombinationen und nichts überzeugt uns so richtig. 
Der Gatte schlägt vor, doch mal nach Montreal statt Toronto zu schauen, und siehe an, da findet sich eine brauchbare Kombination. Also kommt der nächste Reisebericht wohl schneller als geplant, es geht (nicht über Singapur und Toronto) direkt von Frankfurt nach Montreal.

Dienstag, 7. September 2021

The A to Ö of Icleland ... what could possibly go wrong bei der Heimreise (incl.Fazit)

Um halb vier klingelt der Wecker, ich bin aber schon kurz nach drei wach. Schadet nichts, denn ich brauche doch noch etwas länger, meinen Koffer gewaltsam zu schließen. Immer schön, wenn man vor Aufbruch schon schweißgebadet ist. Immerhin kann man sich dann aber auch nochmal kurz frischmachen. Draußen besteht keine Gefahr zu schwitzen, es ist ziemlich kalt (immerhin hat es gegen drei aufgehört zu regnen), und die Uhrzeit tut ihr übriges. Wir packen das Gepäck ins Auto und fahren gemütlich über fast leere Straßen nach Keflavik. So ganz erklären, wieso die drei Wochen Urlaub vorbei sind, können wir uns allerdings immer noch nicht.

Die Rückgabe des Autos gestaltet sich wie immer schnell und völlig unproblematisch, allerdings ist der Laufweg von der Europcar-Abgabe doch im Vergleich zur Übernahme ziemlich weit (und kalt und nachts...). Gegen zwanzig nach vier sind wir im Terminal und es ist wider Erwarten noch erstaunlich leer. Wäre für uns allerdings auch relativ egal, da wir ja sowieso die Priority Lines nutzen können. Dort ist genau eine Familie vor uns und so sind wir rasend schnell an der Sicherheitskontrolle und auch hier mangels anwesender anderer Reisender sofort durch.

Schnell noch im Duty Free die Brennivin- und Schokoladenvorräte aufgestockt und ein Dankeschön für die Nachbarin, die Blumen und Haus betreut, gekauft und gegen fünf sitzen wir in der Saga Lounge - die dieses Jahr zum ersten Mal noch am selben Ort ist, wie letztes Jahr, nachdem sie in den Jahren davor jedes Mal wegen Renovierungsarbeiten woanders zu finden war - und fragen uns, wie wir jetzt schon wieder so schnell dort hin gekommen sind.
Fun fact: Es muss wohl wirklich extrem früh und ich extrem unausgeschlafen gewesen sein, ich habe vergessen, mein Frühstück in der Lounge zu fotografieren.
Ansonsten sitzen wir halt rum, ich schreibe ein wenig Reisebericht und bearbeite Fotos, um nicht noch vorm Boarding wieder einzuschlafen.

Um den Abreisetag dann endgültig unspektakulär zu gestalten, gibt es auch kein Flugzeugfoto, es ist zwar inzwischen hell draußen, aber die Maschine steht ungünstig und ist sowieso die gleiche wie beim Hinflug, eine Boeing 767 mit der Kennung TF-ISP. Was ich beim Hinflug wohl nicht erwähnt habe, sie trägt den wunderbaren Namen "Eldgjá", den wir jetzt auch zurodnen können, es handelt sich nämlich um die Schlucht, in der wir auf dem Weg nach Landmannalaugar den Ófaerufoss besichtigt haben. Immerhin gibt es noch zwei Alibi-Handyfotos von Flugzeugen:
Kennung und Name sind leider unleserlich. Der Kenner wird sagen können, um welchen FLugzeugtyp es sich handelt, ich tippe auf eine 757. Wir kamen dann noch an der "Vatnajökull" vorbei, das Foto ist leider extrem schlecht, obwohl es sich um eine sehr hübsche Lackierung handelt, die zum 80. Jubiläum von Icelandair aufgelegt wurde. Sie trägt übrigens die Kennung TF-FIR und es handelt sich trotz der schicken, neuen Lackierung um eine 27.5 Jahre alte Boeing 757-200.
Nach dem Start bietet sich noch ein schöner Blick auf die Blaue Lagune, bevor wir in den Wolken verschwinden. Ich habe auch nicht ernsthaft damit gerechnet, noch einen Blick auf den Vulkan zu bekommen, zumal wir auf der falschen Seite sitzen.
Beim Anflug auf Amsterdam entdecke ich noch eine mögliche Destination für einen Kurzurlaub für Flugzeugverrückte: Der Strand von Noordwijk bietet Liegen mit Blick direkt auf die Einflugschneise. Mein Mann erklärt mich für leicht verrückt, aber davon darf frau sich nicht beirren lassen, sonst hätten wir vermutlich auch die Niagarafälle nicht im Winter bei frühlingshaften 16 Grad gesehen, wären nicht in Reykjavik eingeschneit und hätten in Lappland nicht sechs Nächte Nordlichter am Stück gesehen. Viele meiner Urlaubsideen werden bei erster Erwähnung als leicht verrückt abgetan. Außerdem habe ich die günstigere Überstundenregelung, wenn mich also das akute Bedürfnis zu Strandurlaub in der Einflugschneise überkommt, weiss ich jetzt, wo.

Während dieser Gedankengänge setzen wir auch schon zweieinhalbmal heftig in Amsterdam auf (harte Landungen sind ja bekanntlich die sichersten) und die Icelandair Piloten/ Bordcomputer sind ja wettermäßig oft Kummer bei der Landung gewöhnt und nicht allzu zimperlich. Hervorzuheben sei an dieser Stelle noch die außergewöhnlich freundliche und zuvorkommende Crew - so kam sie mir in meinen kurzen Wachphasen zumindest vor, und auch mein Mann, der während ich geschlafen habe, bestens mit Frühstück, Orangensaft und Knabbereien versorgt wurde, kann diesen Eindruck nur bestätigen.

Jetzt sind wir also gut wieder in Amsterdam, was soll jetzt noch schiefgehen. Am Gepäckband stehen wir uns mal locker anderthalb Stunden die Beine in den Bauch, auf Nachfrage nach einer guten Stunde am Schalter des Gepäckabfertigers erhält mein Mann die erfreuliche Antwort, das Flugzeug sei jetzt offen, man würde ausladen. Na, ob da wohl was geklemmt hat und ob das den etwas hektischen Blick der Stewardess vor Abflug aus dem Fenster Richtung Gepäckklappe erklärt? Nach anderthalb Stunden kommen zumindest unsere Koffer dank Priority Gepäck unter den ersten auf's Band. Tatsächlich hat das bei uns bisher meistens funktioniert und die Koffer kamen schnell, zumindest wenn mal überhaupt welche kamen. Jetzt schnell zum Auto, was soll jetzt schon noch schiefgehen. 
Wir verladen erstmal das Gepäck und ich suche noch die Örtlichkeiten vor der Heimfahrt auf. Mein Mann zahlt derweil den Parkschein, den wir bei Einfahrt ziehen mussten, statt mit der gebuchten Kreditkarte in den Parkplatz zu fahren. Aufgrund von weiterhin eingeschränktem Reisebetrieb konnten wir nämlich auf dem Kurzzeitparkplatz direkt am Terminal einen günstigen Langzeitparkplatz reservieren. Dieser war allerdings auf die Kreditkarte gebucht, die gezogene Parkkarte läuft auf Kurzzeitgebühren. Auf Nachfrage wurde uns bei Anreise geraten, das ganze bei Rückkehr über die Servicehotline am Bezahlautomaten zu klären. Nachdem ich von den eine Kurzreise entfernten Örtlichkeiten zurückkehre, erklärt mir mein Mann stolz, er habe alles mit der Service Hotline regeln können und uns so Parkgebühren von etwas über 2000 € erspart. Na Gottseidank! Wir sollten jetzt bei der Ausfahrt nochmal bei der Serviceline am Automaten anrufen und dann könnten wir ausfahren. Inzwischen begrüßen sich mein Mann und der Mitarbeiter des Parkhausservice wie alte Kumpel "Nice to talk to you again, Sir", allerdings möchte die Schranke unsere Parkkarte nicht. Mein Mann darf also nochmal zum Bezahlautomaten zwecks Freischaltung laufen, ich schalte mal den Warnblinker ein und verhindere so zumindest, dass sich eines der (zum Gück wenigen) ausfahrenden Fahrzeuge in meine Spur einreiht und ewig warten muss. Dem Mitarbeiter gelingt es, die der Karte am Bezahltautomaten freizuschalten, und wir können endlich nach Hause fahren. 

Jetzt geht auch wirklich nichts mehr schief und wir schaukeln mal wieder gemütlich mit den erlaubten 100 km/h durch die Niederlande nach Hause. Ich bin ja sowieso nur noch 90 km/h gewöhnt, das passt also schon und spart Sprit.

Gegen 17 Uhr kommen wir zu Hause an und werden von unserer Besuchskatze begrüßt, die allerdings nur kurz ihren Unmut über unsere dreiwöchige Abwesenheit kundtun wollte. Immerhin findet sie so noch Erwähnung im Reisebericht.

Fazit

Das Thema Mietwagen habe ich ja im Laufe des Reiseberichts schon reichlich mit mir selber diskutiert. Mache ich aber jederzeit gerne nochmal. Grundsätzlich hatten wir natürlich mit dem Across zum Preis des Vitaras ein top Preis-Leistungsverhältnis, zumal wir es noch geschafft haben, dank unserer ADAC Mitgliedschaft einen Mietwagen zum etwa gleichen Preis wie 2016 zu ergattern, während die gleiche Klasse bei einem handelsüblichen Mietwagen-Portal schon 1000 € mehr gekostet hätte. Der Across fur sich sowohl auf Straße als auch im Gelände extrem gut, mit 306 PS Hybridantrieb hat er immer ausreichend Kraft und Beschleunigung - letzteres braucht man vor allem in einem Land mit Höchstgeschwindigkeit 90 km/h zwingend. Der Allrad war zu jeder Zeit auch auf steilem Schotter griffig und sicher. Bei der Recherche über das Auto im Internet hatte ich in Testberichten allerdings nichts gutes über die Bremsleistung gelesen und so war ich vorgewarnt, denn die Bremsen lassen wirklich für ein Zwei-Tonnen-Gefährt extrem zu wünschen übrig. Dafür hat sich die Motorbremse und die Kontrolle selbiger mit Hilfe von den von mir ach-so-gepriesenen Schaltwippen am Lenkrad gerade auf Schotter bei großen Gefällen als ausgesprochen gut und hilfreich erwiesen, Bergabfahrten waren so immer kontrolliert und sicher möglich. Natürlich fehlt einem Straßen-SUV immer etwas Bodenfreiheit im Gelände und Wattiefe beim Furten, das konnten wir aber verschmerzen. So haben wir einen Grund, irgendwann nochmal eine Hochlandtour mit einem passenden Gefährt zu machen. Für unsere Ansprüche diesen Urlaub war es völlig ausreichend, bei 3.000 km Strecke zählte auch der Straßenkomfort. Letztendlich war das Gefährt nämlich auch noch extrem komfortabel und geräumig, also mal wieder bis auf kleine Abstriche ein echter Glücksgriff beim Mietwagen.

Bei den Hotels/Restaurants gab es dieses Mal absolut nichts zu beanstanden, alle Zimmer waren ausreichend groß, viele sehr schön, das Frühstück/Abendessen ebenfalls immer ausreichend und genießbar (bis auf meinen Fehlgriff beim Fisch des Tages in Grindavik), oft auch sehr gut und reichlich. Als Restaurant ist natürlich das Pakhús in Höfn mit seinen unglaublich guten Langostinos hervorzuheben, ein Hotelranking fällt mir diesmal schwer. Das beste Buffet hatte definitiv das Hotel Hallormstadur am Lagarfljót, auch das Zimmer und der Wellnessbereich waren dort sehr schön, vor allem mit Balkon. Also gibt es wohl doch einen leichten Favoriten. Ungeschlagen, das Abendessen im Kol in Reykjavik.

Die Route war diesmal besonders akribisch geplant, schließlich hatten wir letztes Jahr eigentlich schon die Planung begonnen und somit viel mehr Zeit investiert. Dazu kam, dass wir Island nach drei Urlauben gut kannten und einschätzen konnten und den Urlaub genau auf unsere Bedürfnisse angepasst haben. Eine für uns perfekte Mischung aus Fahrten, Wanderungen, Entspannung und Fotomöglichkeiten für mich.

COVID-Situation  -  Einschätzung der hausinternen Risk Assessment Abteilung

Wie dem einen oder anderen vielleicht aufgefallen ist, war das hausinterne Risk-Assessment in diesem Urlaub deutlich schweigsamer als im letzten Jahr. Das liegt zum einen daran, dass wir zwischenzeitlich voll geimpft und dadurch deutlich entspannter mit der Situation umgehen. Zum anderen traten seit Ende Juli in Island wieder vermehrt Coronafälle auf, so dass hier die meisten Hotels und Restaurants eher vorsichtig waren, das heißt, es gab oft große Abstände zwischen den Tischen, oft trug das Personal und die Gäste, die nicht am Tisch saßen Mundschutz und man hatte fast immer die Möglichkeit, am Fenster zu sitzen und auch mal ein Fenster zu öffnen. Meistens haben wir es geschafft, antizyklisch zu essen, wenn es früh voll im Hotel war, gingen wir spät Abendessen, morgens waren wir sowieso meist so spät dran, dass es recht leer war. Da wir uns nur in "Touristenhotels" bewegt haben, hielt das hausinterne Risk-Assessment das Ansteckungsrisiko ohnehin für sehr gering, da nach Island momentan nur vollständig geimpfte ohne Quarantäne einreisen dürfen. Die hohen Fallzahlen beschränkten sich zudem überwiegend auf die Regionen Reykjavik und Akuyeri, in letzterer Stadt haben wir uns diesmal (aus anderen Gründen) gar nicht aufgehalten, die ersten beiden Nächte haben wir deshalb (und zwecks Vulkanbesichtigung) nicht in Reykjavik, sondern in Grindavik verbracht. Wäre schade gewesen, wenn wir uns in Reykjavik im falschen Restaurant aufgehalten hätten und den Urlaub in Quarantäne hätten verbringen müssen. So ging aber alles gut, und auch im Restaurant Kol in Reykjavik am vorletzten Abend war das Sicherheitsgefühl ok und die Tischabstände deutlich größer als im COVID-freien Juli 2020. Bisher scheint auch alles gut gegangen zu sein und das hausinterne Risk Assessment hat wieder einmal nicht versagt. Zumal der Reiseentzug nach fast einem Jahr für uns sowieso untragbar wurde und wir das kalkulierbare Risiko, geimpft zu reisen, guten Gewissens auch weiterhin eingehen werden.

Ausblick 

Wer sagt, er wird wieder mehr reisen, muss auch Ausblicke geben. Dieses Jahr steht nichts größeres mehr an, aber für nächstes Jahr gibt es einige, langsam konkreter werdende Pläne: irgendwas mit Winter, dann Eisberge gucken (und fotografieren) in Neufundland Ende Mai und dann noch ein bisschen Wandern in Südtirol. Hoffen wir, dass uns die Pandemie oder die Politik keinen Strich durch die Planungen macht!

Bis dahin, Danke fürs Lesen - vor allem an die, die meinen heutigen Erguss bis zum Ende durchgehalten haben!