Donnerstag, 1. Oktober 2026

Almost lost in the Forests of New Brunswick

Wenn meine Kopfschmerzen etwas zuverlässig ansagen, dann Wetterwechsel, und so erwartet uns nicht ganz überraschend heute der folgende Blick aus dem Hotelzimmerfenster:
Beim Frühstück gibt es heute unter anderem Waffeln, wir werfen mal etwas Obst dazu.
Da es hier nur bis neun Uhr Frühstück gibt, sind wir schon relativ früh unterwegs und kurz nach zehn bei unserer ersten Wanderung zu den Hays Falls.

Yay, Frühsport!

Der Weg ist mit sehr viel rotem Laub bedeckt.
Oben ist es auch schön bunt.
Immerhin lohnt der Wasserfall, auch wenn Fotografieren aufgrund der Lichtverhältnisse schwierig ist

Der Weg an sich ist nicht allzu schwierig, nur zum Wasserfall geht es etwas steiler bergab.
Danach kann ich es mir nicht verkneifen, als Ex-Schlagzeugerin bei Sabian, einem Beckenhersteller vorbeizufahren, der hier um die Ecke sein Werk hat. Wir verschweigen geflissentlich, dass ich nie Sabian-Becken gespielt habe. Für ein Foto des Logos mit Herbstlaub hat der Besuch gereicht, für eine Besichtigung hätte man sich vorab online anmelden müssen.
Danach wird es doch sehr spannend: Wir wollen eigentlich die 630 über Canterbury nach Süden zum nächsten Wanderstopp fahren, doch diese ist hier gesperrt. Eine Umgehung würde durch die hier unmittelbar angrenzende USA führen, wir haben aber zur Zeit kein gültiges ESTA und auch absolut keine Lust, in die USA einzureisen. Google Maps schlägt eine Strecke über noch nebenstraßigere Nebenstraßen als die 630 vor, die angeblich als eine der schlechtesten Straßen Kanadas gilt. Letztendlich bedeutet das, Logging- und ATV-/UTV-Roads, was quasi Waldwege bedeutet.

Das ist noch die entspannte Variante zu Beginn, später wird es matischig, steinig und einige Pfürzen grenzen an Furten. Zum Glück ist der Tiguan doch recht geländegängig.
Irgendwann weißt uns Google Maps an, einer - wie wir dem anstehenden Schild entnehmen - Schneemobil-Piste Richtung Hauptstraße zu folgen. Wir sind uns in dem Moment nicht ganz sicher, was wir absurder finden sollen, dass es hier offizielle UTV- und Schneemobil-Straßen inklusive Nummerierung gibt oder dass Google Maps einen mal eben dort lang schickt. 
Noch während wir so rumstehen, uns wundern und überlegen, ob wir nicht doch besser dem gut befahrbaren Waldweg geradeaus ins Nirgendwo folgen sollen, tauchen hinter uns zwei nette Senioren im UTV auf, die fragen, ob wir uns wohl verfahren haben. Ist wohl naheliegend.
Wir vergleichen kurz unsere Ziele und Fahrtrichtungen, sie wollen nach McAdam, dem Ort, der direkt an dem Provincial Park, in dem wir als nächstes wandern wollen, liegt. Die Straße, der wir überlegt haben zu folgen, führt uns genau dort hin, und sie können uns auch sagen, dass man diese auch problemlos mit unserem SUV befahren kann. Also folgen wir ihnen etwa 30 km durch die Wildnis von New Brunswick. Vorne kann man ihr UTV erahnen.
An der Tankstelle von McAdam verabschieden wir uns herzlich von den beiden, sie sind doch sehr überrascht, dass wir aus Deutschland und nicht nur, wie unser Auto vermuten lässt, aus Nova Scotia kommen. Die beiden gehen hier Mittagessen und wir biegen gleich in die nächste (offizielle) Schotterstraße Richtung Spednic Lake Provincial Park ein. Hier gibt es auch für uns erstmal Mittagessen, in einer Tankstelle habe ich bei einem Pinkelstopp eine kleine Bäckerei, die "Homemade Pies and Muffins" verkauft, bemerkt, und wir haben ein Cranberry- und ein Schoko-Oatmeal-Muffin für die Mittagspause erworben.
Frisch gestärkt laufen wir jetzt den 3,5 km langen Boulder Walk, der seinem Namen alle Ehre macht.


Zur Abwechslung sind die Steine auf dem Weg mit Moos bewachsen, ist ja auch mal hübsch. Irgendwo auf halbem Weg kommen wir an einer Aussichtsplattform vorbei. Kein Elch in Sicht, nur Sumpflandschaft und buntes Laub.

Weiter geht's durch bemooste Steine und Wald.
Auch am Ufer des Spednic-Lakes liegen sehr viele Boulder.






Zurück geht es entlang des Seeufers durch den Wald, man könnte den Weg auch als Sammlung von Boardwalks durch verschiedene Grüntöne bezeichnen.





Interessante Pilzhaufen haben wir auch gefunden. Wir vermuten, wenn sie essbar wären, stünden sie nicht so unbehelligt mitten auf dem Weg herum.
Der weitere Fahrweg ist traumhaft sonnig und herbstlich bunt. Und ja, auch teilweise unbefestigt. Aber wenigstens breit.



Unser letzter Halt ist der Ganong Nature Park, wo wir nur noch Zeit für einen kurzen Spaziergang haben, da wir zwischen 17 und 18 Uhr wie verabredet an unserem B&B ankommen sollten.
Dennoch genießen wir kurz die Aussicht auf die gegenüberliegenden Ufer.

Das Areal ist schön und gepflegt, und man könnte hier sicher auch mehr Zeit verbringen, aber unsere Gastgeber warten auf uns.
In unserem B&B in St. Andrews haben wir ein riesiges Zimmer im ersten Stock, das wir nach einem freunldichen Empfang mit jeder Menge Informationen beziehen.
Weil wir ja heute noch nicht viel gelaufen sind, gehen wir zu Fuß zum Abendessen und begegnen in der beschaulichen Innenstadt von St. Andrews mehr Wildlife in Form von Rehen, als in der gesamten letzten Woche.
Die Innenstadt von St. Andrews ist sehr beschaulich.
Heute gibt es mal etwas ausgefallenere Küche als die letzten Abende, wir speisen im "William and Water" (das schlichtweg nach der Straßenkreuzung, an der es sich befindet, benannt ist).
Das Konzept ist deutlich kreativer als der Name, es gibt Gerichte zum Teilen im Tapas-Konzept.
Das Kulturgut wird heute nicht geteilt, schließlich sind wir zu Fuß hier. Der Gatte hat ein New Zealand IPA von der örtlichen Brauerei, ich ein IPA von der Long Island Brewing Company in Nova Scotia.
Wir starten mit einem Toast mit Anchovis, Pesto und Manchego Käse. Die Kombination aus Käse und Sardellen erinnert ein wenig an Surströmming, den wir ja glücklicherweise mögen. Dazu Smashed Potatoes mit Kimchi, Spiegelei und unglaublich viel Knoblauch.
Danach: Garnelen mit Chorizo und, wer hätte es gedacht: Knoblauch.
Als letzten Gang gibt es Lachs in Miso-Marinade mit Rettich und Ingwer.
Alles war sensationell lecker und wir können uns nicht verkneifen, auch noch den Nachtisch zu verkosten. Ich nehme einen Carrot Cake, der wie Lebkuchen schmeckt, mit Ahornsirup-Karamell-Mandeln,
Der Gatte hat ein Schoko-Panacotta, dass eher ein Schokopudding, aber sehr lecker und riesig ist.
Beseelt von einem zweiten nicht ganz schwachen IPA und dem überstandenen Ausflug in den Wald wanken wir zurück ins B&B und wundern uns über 15 km Fußweg ingesamt für heute auf der Uhr.

Mittwoch, 30. September 2026

Im Regen nach Woodstock, NB

Es regnet immer noch, aber meine Kopfschmerzen, die mich seit heute Nacht quälen und am Morgen in einer leichten Migräne gipfelten, sprechen für einen nahenden Wetterumschwung. Immerhin verpassen wir bei dem Wetter nichts, wenn wir morgens heute noch langsamer in die Gänge kommen als sonst. Heute kann man einen Regentag auch am ehesten verschmerzen, wir haben hauptsächlich von Sussex nach Woodstock Fahren geplant. Die optionalen Stopps sind nicht wirklich spannend, und so sind weder Migräne noch Regen am heutigen Tag ein allzu großes Problem. Immerhin fühle ich mich pünktlich um 11 Uhr zum Checkout wieder zurechnungsfähig, und wir fahren im strömenden Regen zunächst Richtung Fredericton. Den ersten Stopp mit einem kleinen Waserfall streichen wir wegen "keine Lust unsere schweren Beine der letzten Tage im strömenden Regen zu bewegen".
Wir nehmen gemütlich die landschaftlich schönere Nebenstraße nach Fredericton und machen noch einen Abstecher zu einer laut meiner Google Maps Streckenrecherche schönen Brücke. 

Naja, da haben wir schon spannendere Brücken gesehen, aber immerhin beschert uns der Umweg auch wieder buntes Laub und sogar eine (unfotografierte) Wildlife-Sichtung von drei ausgesprochen prächtigen Rehen in einem Vorgarten.
Kurz darauf sichten wir tatsächlich noch einmal Wildlife, ein Kojote steht in einem Feld neben der Straße. Diesmal ist es auch wirklich einer, nicht wie bei unserer ersten Durchfahrt durch den Fundy Nationalpark, wo sich der Kojote auf den zweiten Blick als Schäferhund entpuppte. Elche bleiben weiterhin aus.

Aufgrund des immernoch nicht wirklich einladenden Wetters entscheiden wir uns für einen Stopp in Fredericton. Vielleicht haben wir irgendwas Nettes bei unserem kurzen Stopp 2018 hier verpasst, wir fanden die Hauptstadt von New Brunswick damals ziemlich langweilig.

Zumindest haben sie hübsche Blumen in einem kleinen Park rumstehen.
Ich brauche jetzt erstmal als Nachwirkung meiner Migräne dringend etwas Salziges zu essen, und wir testen mal das Flatbread von Tim Hortons. Schmeckt lecker, und die Menge an Käse ist ganz nach unserem Geschmack.
Fredericton wird dadurch leider auch nicht spannender. Am Parlament von New Brunswick sind wir damals schon vorbeigelaufen.
Der Gatte möchte noch die Kathedrale anschauen, die wir letztes Mal offenbar verpasst haben. Wir kommen an einem rosa Haus mit einem Kunstladen und hübschem Zebrastreifen mit Ahornblatt vorbei.
Die Kathedrale passt sich unserem Bild des Ortes an, sie ist eher unspektakulär, obwohl jemand sogar extra für uns das Licht eingeschaltet hat.

Wir versuchen erfolglos, so etwas wie eine Geschäftsstraße zum Bummeln zu finden, aber die King- und Queenstreet, die dem am nächsten kommen sollten, geben nicht viel her. Ich fotografiere noch das Rathaus, der Gatte meint, das hätte ich auch schon 2018 fotografiert.
Fredericton hat leider unseren ersten Eindruck von 2018 nochmal bestätigt, einen Besuch kann man sich auch gepflegt sparen, wenn man besseres zu tun hat. 
Damit wir wenigstens ein bisschen Natur und Bewegung abbekommen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang von vier Kilometern um den Killarney Lake, ein Naherholungsgebiet gleich nördlich von Fredericton. Der ist sehr schön mit gepflegt angelegten Wegen und Herbstfarben. Leider ist das Wetter immer noch sehr grau, wenn auch weitgehend trocken immerhin.

Weil es so schön herbstlich ist, kann man auch mal ein paar Pilze fotografieren.

Immerhin spiegelt sich der Herbstwald hier auch schön im See.

Auf dem Wasser wuseln an einer Stelle Unmengen von Käfern. Keine Ahnung, was das ist, aber irgendwie sieht es gruselig aus.
Widmen wir uns lieber wieder dem Herbstwald.
Apropos gruselig, eine merkwürdige Raupe finden wir auch noch. Wuschelig grün und mit Stacheln. Ich mache ein Foto mit Sicherheitsabstand, man weiß ja nie.
Es handelt sich hierbei um die Raupe der Dagger Moth, deren Haare zwar Hautreizungen auslösen können, die aber ansonsten nicht wirklich gifitg ist.

Schon bitter, wenn die einzige Elchsichtung heute auf einer Mülltonne ist.
Die kleine Runde war heute mal völlig ausreichend, nach den Steilhängen und Felsklettereien der letzten Tage. Wir setzen unsere Fahrt nach Woodstock fort. Der Vorteil des miesen herbstlichen Wetter ist, dass es die Laubfärbung begünstigt, die in den letzten zwei Tagen kräftig zugelegt hat. Die restlichen knapp anderthalb Stunden Strecke geben uns noch Gelegenheit, den reichlich vorhandenen, bunt gefärbten Wald zu genießen.
Wir fahren noch durch viel schöne Landschaft und einige sehr gediegene Wohngebiete in bester Lage am Saint John River. Auch Woodstock macht einen durchaus wohlhabenden und gepflegten Eindruck. Außerdem ist es die älteste Stadt New Brunswicks, wie das Schild am Ortseingang verkündet. 
Wir checken jetzt ersmal in das direkt an der Abfahrt des Highways (dennoch ruhig) gelegene Best Western Plus ein.
Wir machen uns kurz frisch und fahren zum Restaurant "The River", das an diesem Dienstag Abend extrem gut und überwiegend von Einheimischen (außer uns treiben sich vermutlich auch nicht viele Touristen hier herum) besucht ist. 
Ich bin heute der Fahrer, ich nehme mit einem alkoholfreien Budweiser vorlieb. Der Gatte probiert mal ein Stag's Head Red Ale, das sehr mild für ein rotes ist.
Heute gibt es Fish&Chips für den Gatten (die Süßkartoffelfritten, die genau wie der Ceasar Salad geteilt werden, finden sich unter den zwei riesigen Fischstücken). Mir ist heute mal nach Burger, und ich entscheide mich für den "The River Burger" mit allem, was so auf Burger gehört, und einer leicht scharfen Chilimayonaise.
Es hat uns auch hier sehr gut geschmeckt. Jetzt machen wir es uns im Hotel gemütlich und schauen das Eröffnungsspiel der NHL. Die Baseballsaison hat in Kanada gestern mit dem Ausscheiden der Toronto Blue Jays aus den Playoffs geendet, also schauen wir ab heute Eishockey statt Baseball.
Es spielen die Toronto Maple Leafs gegen die Montreal Canadiens und überraschenderweise erzielen die Leafs nach wenigen Minuten den ersten Treffer. Mittlerweile hat sich das Spiel aber gedreht, und sie liegen (mal wieder) 1:2 zurück. Mal schauen, wie sich das Spiel noch entwickelt.