Lange war es ruhig hier, da wir dieses Jahr ein wenig Urlaub für das kommende Jahr sparen wollten. Aber ein bisschen muss auch diesen Herbst gereist werden, und so langsam wird es auch wirklich wieder Zeit für einen Urlaub. Für eine relativ kurze, knapp zweiwöchige Tour bietet sich eine erneute Reise die kanadischen Maritimes an. Hier fehlen uns noch ein paar Ecken an der Bay of Fundy, die wir während unserer Rundreise 2018 nur kurz oder gar nicht besucht haben. Das kann man ja nachholen. Damit stand recht schnell eine Route:
Ein passender Berichts-Titel war auch relativ schnell gefunden, natürlich ist "The missing pieces" auch zugleich Songtitel. Es gibt sogar mehrere Popsongs mit dem genannten Titel, Fun Fact: ich kenne keinen einzigen davon.
Auch wenn die Reiseroute verhältnismäßig kurz und unaufwendig ist, hatte ich das Bedürfnis, auch hierfür einen kleinen, persönlichen Reiseführer zu erstellen. Schließlich muss man ja irgendwo die Übersicht über die etwa 50 optional gepanten Wanderungen für die 10 Tage vor Ort behalten.
Der andere Grund war, dass ich vor einiger Zeit spaßeshalber mit Chat GPT herumgespielt hatte und diesen vorab ein Foto von Traudel und dem Reiseelch in den kanadischen Maritimes habe erstellen lassen, das der Gatte und ich einfach so herzig fanden, dass dies das Coverfoto für den Reiseführer sein musste:
Apropos, zwischenzeitlich kamen wir zu dem Schluss, dass der Reiseelch auch mal einen Vornamen braucht. Er heißt Gunnar.
Nachdem die Anreise 2018 mit Flug über Toronto und dann wieder gut zwei Stunden zurück nach Halifax ein wenig wie Zeitverschwendung anmutete und Icelandair inzwischen Halifax direkt anfliegt, haben wir uns entschieden, wieder via Island zu fliegen. Hat auch den Vorteil, dass wir auf dem Rückweg wieder einen Zwischenstopp zum lecker Essen und Wolle Kaufen machen können. (Brennivin kaufen darf ich laut Anweisung des Gatten nicht mehr, da ich bei den letzten Besuchen ab und an mal eine Flasche im Duty Free "auf Vorrat" mitgenommen habe und jetzt drei Flaschen von dem guten Stoff im Keller für "man weiß nie, wann man sie mal braucht und wann man wieder nach Island kommt" lagern. Er sagt das reicht.)
Die Flugzeiten sind mit 3,5 Stunden für AMS - KEF und 4,5 Stunden KEF - YHZ absolut entspannt, die dreieinhalb Stunden Aufenthalt in Keflavík werden wir schon irgendwie rumbekommen. Vermutlich wird der Gatte wieder die Gelegenheit nutzen, auszutesten, wie viele Macarons man bei einem Zwischenstopp in der Icelandair Lounge konsumieren kann.
Der aufmerksame Leser wird jetzt schon erkannt haben, dass wir mal wieder ab Amsterdam fliegen. Das bedeutet, wir fahren wie so oft schon am Vortag nach Amsterdam und nutzen wieder das im letzen Jahr entdeckte "Park, Sleep and Fly" Angebot des Steigenberger Airport Hotels.
Bis letzte Woche Mittwoch lief alles entspannnt und nach Plan, jedoch hat zu diesem Zeitpunkt die Icelandair-Mechanikergewerkschaft ab Mittwoch den 23.09., 00:01 Uhr, einen unbefristeten Streik angekündigt. Der sicherlich auch aufmerksam unser Titelbild studiert habende Leser wird erkennen, dass unser Abflugtag, der 24.09., ziemlich genau in dieses Zeitfenster fallen könnte. Seit diesem Moment befinden wir uns also in einem reiseplanerischen Schwebezustand, wie wir ihn seit unseren Reisen in den besen Corona-Zeiten nicht mehr hatten.
Icelandair hat als Reaktion auf die Streikankündigung verkündet, sollte der Streik am 23.09. beginnen, würde man alle Flüge am 23.09. und 24.09. streichen, aber erst dann. Man bot den Passagieren, die auf diese beiden Tage gebucht waren, dennoch vorab eine kostenlose Umbuchung auf einen Zeitraum zwischen 16.09 . und 16.10. an. Bringt uns jetzt nicht so riesig viel, da Halifax nur sonntags und donnnerstags angeflogen wird. Diesen Sonntag konnten wir aus diversen terminlichen Gründen absolut noch nicht fliegen, bei Abflug am Sonntag danach gehen uns zu viele Urlaubstage verloren, und wer weiß, wie unbefristet der Streik letztendlich ist, ob nicht der kommende Sonntag im Worst Case auch noch betroffen ist bzw. was bis dahin alles an Stornierungen "aufgelaufen" ist.
Warum sollen wir auch "auf gut Glück" unseren Reiseplan umwerfen, obwohl der Streik noch gar nicht endgültig feststeht und im Hintergrund wohl auch noch Verhandlungen laufen. Wir entschieden uns also dagegen und suchten stattdessen sicherheitshalber schonmal alternative Flüge heraus, auf die uns Icelandair im Falle eines Streiks umbuchen könnte. Denn wenn Mitarbeiter ihres eigenen Unternehmens streiken, sind sie verpflichtet, uns auf alternative Flüge umzubuchen oder diese zumindest zu erstatten, auch sind sie dann schadenersatzpflichtig, wenn sie uns nicht wie geplant befördern. Das Angebot zur frühzeitigen selbsttätigen Umbuchung ist aus unserer Sicht nur der Versuch, den oben genannten Verpflichtungen zu entgehen, und da viele Wege nach Halifax führen, lassen wir es dann mal darauf ankommen.
Seitdem verfolgen wir also gespannnt die Isländischen Nachrichten, was dank Google Translate auch trotz meiner weiterhin eher geringen Isländischkenntnissen kein Problem ist. Immerhin weiß ich jetzt, dass Streik auf Isländisch "verkfall" heißt. Die derzeitige Informationslage schwankt zwischen "man verhandelt nicht", "man verhandelt, aber kommt zu keiner Einigung", "man verhandelt gut", "man kann sich nicht einigen" und "man verhandelt mit staatlichem Schlichter", aber wenn man zu keiner Einigung kommt, wird gestreikt. Ok, so weit waren wir schon letzten Mittwoch.
Zwischenzeitlich läuft die isländische Tourismusindustrie Sturm, da sie wohl schon jetzt großen Schaden durch eine Umuchungs- und Stornierungswelle aufgrund der Streikankündigung hat, und man bittet den Staat, einzugreifen und den Streik zu verhindern. Über staatliche Eingriffe in Streikmaßnahmen kann man sicherlich beliebig streiten, ich fasse hier nur die aktuellen Fakten zusammen, wie sich die Lage für uns entwickelt. Stand gestern Abend war kurz zusammengefasst: Es laufen noch Schlichtungsgespräche, möglicherweise greift die Regierung ein, möglicherweise einigt man sich noch und möglicherweise streikt man auch erst ab 25.09.
Für uns bedeutet das jetzt erst einmal nur, dass wir auf alles gefasst planmäßig am 23.09. nachmittags nach Amsterdam reisen werden, dann immerhin schon mit dem Wissen, ob der Streik dann schon begonnen haben wird oder nicht. (An dieser Stelle überkommt mich zunächst aber eine tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeiten der deutschen Sprache, zukünftig vergangen sein werdende Ereignisse mit derartig wunderbaren Formulierungen ausdrücken zu können.) So oder so, wenn ja, werden wir noch am Mittwoch versuchen, uns von Icelandair auf unsere bereits ausgesuchten Alternativflüge umbuchen zu lassen oder - wenn sie es nicht fristgerecht tun - selbst umzubuchen. Wenn wir Glück haben, war es mal wieder nur sehr viel heiße Luft, und wir kommen am 24.09. um einen Streik herum.
Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir es also quasi mit "Schrödingers Flug" zu tun: Bis zum 23.09., 00:01, findet der Flug gleichzeitig statt und nicht statt.
Wir werden sehen.
Unser Urlaub beginnt jedenfalls mit einem ordentlichen Cliffhanger und der Spannungsbogen für den geneigten Leser (und leider auch für uns) ist dieses Mal ziemlich hoch.
Ich werde - natürlich - berichten.





























































































