Dienstag, 6. Oktober 2026

Von Halifax rund um die Welt und auch noch zu den Nordlichtern in nur 3 h 50 min

Die Kürze des Rückflugs ist mit einem Wort als "traumatisch" zu beschreiben. Um 4:45 landen wir trotz verspäteten Abflugs überpünktlich bei kuschligen 5 °C in Keflavík. Fotos gibt es keine, es ist schwierig genug, die Augen offen zu halten. Wir lassen uns Zeit auf dem Weg zum Gepäckband. Nachdem das bei der Einreise nicht gelingt, weil niemand vor uns ist, füllen wir erstmal erstmal unsere Wasserflasche und bummeln durch den im letzten Jahr schon wieder gewachsenen Duty Free. Die Autovermietung öffnet sowieso erst um 6 Uhr. Dafür fahren unsere Koffer, als wir am Gepäckband ankommen, schon sehr alleine im Kreis.
Die Anmietung bei Europcar läuft wie gewohnt unkompliziert, gebucht ist ein Suzuki Vitara, wir bekommen quasi dasselbe wie zu Hause, einen Mitsubishi Eclipse Cross in Schwarz und als Hybrid. Dafür, dass der Gute im Gegensatz zu meinem "erst" 82000 km auf der Uhr hat, sieht er außen schon ziemlich mitgenommen aus. Was soll's, wir sind hier auf Island und wollen keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, besser wird er in den nächsten zwei Tagen vermutlich auch nicht werden.
Was macht man um kurz nach sechs, wenn es stockdunkel, eiskalt und man selbst todmüde ist, zwischen Keflavík und Reykjavik? Man fährt erstmal in den 24 Stunden geöffneten Hagkaup in Gardabær und geht wichtige Dinge shoppen: Islandwolle und Süßigkeiten.
Dennoch kommen wir schon gegen 8 Uhr im Hotel an. Unser Zimmer wäre erst ab 15 Uhr bereit, aber man bietet uns ein sofort zugängliches Zimmer für knapp 40€ Aufpreis an. Wir sind müde, und die Hemmschwelle ist niedrig, wir nehmen das Angebot und die Aussicht auf ein paar Stunden Schlaf bis mittags dankend an. Das Zimmer ist dasselbe wie immer, dieses Mal mit Blumenbildern über dem Bett. 
Auch der Ausblick ist der gewohnte, dieses Mal wieder vorne raus.
Bevor wir uns schlafen legen, begeben wir uns allerdings zum Frühstück, was wir ebenfalls noch dazu gebucht haben, da wir es am Abreisetag ja sowieso nicht wahrnehmen könen.
Erstmal ein bisschen warmes Porridge mit Obst.
Dann ein gepflegtes Urlaubsbrot mit Lachs und Spiegelei. Vermisse ich in Kanada immer ein bisschen.
Danach noch eine Waffel mit was typisch isländischem: Skyr und ein Gläschen Lysi (Dorschlebertran) für Omega 3 und Vitamin D.
Gesättigt begeben wir uns Richtung Bett. Wohl dem, der auch nach drei Tassen Kaffee gepflegt ein paar Stunden schlafen kann. Auf den Bergen liegt Schnee, das Wetter sieht gar nicht so übel aus, also schauen wir mal, dass wir bis heute Nachmittag wieder fit sind.

*** vier Stunden später ***

Die Sonne scheint, und wir fahren in die Innenstadt ein bisschen bummeln. Zunächst muss ich natürlich die Blumenkübel mit Zierkohl gebührend bewundern.
Danach statten wir Ofelia im Icemart einen Besuch ab. Sie ist gerade sehr hart am Arbeiten, daher stören wir sie nicht.
Das Frühstück ist schon ziemlich lange her, bis zum Abendessen sind es noch zwei Stündchen, also muss eine Zimtschnecke bei Braud & Co her. Warm, fluffig und lecker.
Wir bewundern den Einstök-Wikinger an der Einstök Bar. Dieser ziert auch eines meiner T-Shirts und erfreute gestern eine der Stewardessen von Icelandair sehr.
Ich entdecke einen Laden der Handknitting Association of Iceland, wo ich noch ein Strickheft, das ich schon länger auf Englisch haben wollte, finde. Dann führt eins zum anderen, und ich muss mir direkt noch Wolle für eine Weste, die darin als Anleitung zu finden ist, zusammenstellen und kaufen. Ist ja viel besser, wenn man die Wolle mal anfassen und die Farben nebeneinander legen kann.
Glücklich verlässt die Frau mit ihrer Beute den Laden.
Jetzt wird aber wirklich noch ein bisschen gebummelt.


In einem Souvenierladen finden wir eine weitere prächtige Katze. Es gibt inzwischen sogar Katzentouren durch Reykjavík, es gibt mindestens drei Läden, in denen eine Katze mit arbeitet.
An einer Pizzabude freuen wir uns über eine Lebensweisheit für Pizzaliebhaber.
Wir schauen uns mal ein bisschen in den Neubaugebieten Richtung Hafen um.


Irgendwann fällt uns auf, dass es schon stramm auf 18 Uhr zugeht, wir einen Tisch in der Fish Company haben und dafür noch das Auto umparken wollen, damit wir nicht nach dem Essen einmal quer durch die Innenstadt rollen müssen. Vor dem Restaurant tummeln sich ein paar Flamingos.
Da wir hier schon zwei mal sehr gut gegessen haben, entscheiden wir uns dieses Mal todesmutig für das "Around the World" Menü. Zum Auto rollen bekommt ab jetzt eine völlig neue Dimension.
Der Gatte hat ein Snorri IPA, ich einen alkoholfreien Cocktail mit Mango und Ingwer, der sehr gut zum späteren Essen passt. Wir beginnen wie immer hier mit Sauerteigbrot mit gebräunter Butter, das in hausgemachtes Granola "getunkt" wird. Absolut geniale Kombination, wie wir finden. Und auch nur ganz leicht sättigend vorab.
Als Gruß aus der Küche gibt es Thunfisch Tartar mit Yuzusauce und Parmesancrumble. Bisher gab es noch nichts vom Menü, das sind die Standard-Vorab-Gänge, die es für alle gibt.
Erster Gang des Menüs sind Garnelen in Paprika-Tomatensauce mit Mozarella.
Lachs mit Wasabi-Eis in Gurken-Muschel-Sud. Die Portion Lachs ist ungefähr so riesig wie sie aussieht, und uns überkommt eine leise Panik bezüglich der restlichen Gänge. Schmecken tut es jedoch zum Glück sehr gut.
Fischfrikadellen mit Jakobsmuscheln und Kapern. Es handelt sich übrigens um ein reines Fischmenü, das wussten wir aber vorher.
Jetzt kommt der eigentliche Hauptgang... hoffen wir. Wir sind uns sonst nicht sicher, ob wir den Abend überstehen. Es gibt Wolfsbarsch mit Jakobsmuscheln und drei Varianten vom Blumenkohl. Schmeckt leider auch so gut, dass wir es aufessen müssen. Wir flehen um Gnade und bekommen die freudige Nachricht, dass nur noch zwei weitere Gänge anstehen.
Beim vorletzten Gang handelt es sich glücklicherweise schon um das "Pre-Dessert", zwei mit Yuzu gefüllte Küchlein. Glücklicherweise habe ich einen zweiten Magen für Süßes, und so passen zwei Nachtische noch locker rein.
Das endgültige Dessert ist eine Creme Catalan mit Passionsfrucht und Karamell. Auch das ist noch sehr lecker, der Gatte isst sogar noch die "winzigen, hauchdünnen Minzplättchen", ohne zu platzen.
Wir rollen den kurzen Weg zum Auto und fahren zurück ins Hotel, auf ein Feierabend Bier in der Bar. Auf dem Parkplatz kann man einen Hauch Nordlicht erkennen.
Ich hole sicherheitshalber mal die Kamera aus dem Zimmer. Während wir so unser Bierchen schlürfen, 
sagt der Gatte diesen wohlbekannten, alles entscheidenden Satz, der den Ausgang des Abends entscheidend verändern wird, da er erfahrungsgemäß als Garant für Nordlicht-Sichtungen gilt: "Wir sollten heute Abend nicht so spät ins Bett." 

Auf dem "nicht so späten Weg ins Bett" machen wir einen kleinen Abstecher zum Hotelparkplatz, wo man wieder leichte Nordlichter sehen kann. Ich bleibe noch kurz für ein paar Fotos, der Gatte geht nach drinnen, nur im Hemd ist ihm zu frisch. Ich habe noch meinen Islandpullover dabei. Sobald der Gatte nach drinnen verschwindet, passiert, was passieren musste, wenn man "nicht so spät ins Bett" möchte, und ein gigantisches Spektakel in Grün bricht über mir los. 

Ich zitiere den Gatten wieder nach draußen, und wir erfreuen uns gemeinsam mit einer euphorisch jubelnden Chinesin an dem Spektakel. Es sind tatsächlich die zweit- spektakulärsten Nordlichter, die wir bisher gesehen haben. Auch wenn der Hotelparkplatz jetzt nicht die traumhafteste Kulisse für Nordlichter ist, lasse ich dennoch die Bilder für sich sprechen.








Nach etwa 20 Minuten ist das Spektakel dann auch wieder vorbei und wir können, nicht mehr ganz so früh, ins Bett.

... und wieder zurück nach Halifax.

Richtig gelesen, heute ist schon unser letzter Tag in Kanada. Unsere Reise dauerte hier dieses Mal nur zehn Tage. Aus Gründen, wir sparen Urlaub für Neuseeland kommenden Februar.
Beim Frühstück verwöhnt uns unser Gastgeber noch einmal so richtig, er hat früher als Bäcker gearbeitet, erzählt er. Es gibt einen Muffin aus Donut Teig und hausgemachten Joghurt mit ebenfalls hausgemachtem Granola mit Beeren, das ich leider vergessen habe zu fotografieren.
Als Hauptspeise gibt es dann eine Spinat-Feta Frittata mit selbstgebackenem Toast. 
Alles sehr lecker. Ich hoffe, im Fairy B&B wird man genauso gut verköstigt.
Das Grundstück liegt sehr schön umrandet von buntem Wald, da kann man den benachbarten Baumarkt getrost ignorieren. Auch hier hat es uns sehr gut gefallen, auch wenn leider über uns eine Horde Elefanten genächtigt haben muss, was man durch die in Kanada übliche Holzbauweise auch deutlich mitbekommen hat.
Jetzt wird es wieder Zeit für etwas Bewegung, wir wollen den knapp 8 km langen Jodrey Trail Loop im Blomidon Provincial Park laufen. Zuvor müssen wir aber mal das hier wieder breite und rot gefärbte Watt bewundern, wir sind ja wieder in der Bay of Fundy, mit ordentlich Tidenhub.




Die Landschaft in Richtung Landesinnere ist hingegen erstaunlich unspektakulär.
Im Park erwartet uns ein entspannter Weg durch den Herbstwald mit gelegentlicher schöner Aussicht.






Auch schöne Klippen gibt es. Was uns schon während der ganzen Tour auffiel: Hier gibt es sehr viele verschiedene Gesteinsarten, von Sandstein bis Vulkangestein. Macht die Landschaft extrem abwechslungsreich.
Vom Parkplatz hat man zum Abschluss auch nochmal schöne Aussicht über die Bucht.


Auf dem Rückweg nach Halifax halten wir noch kurz an einem der bei Ebbe fast leeren braunen Flussbetten zu dokumentarischen Zwecken.

Irgendwo kommen wir noch an einem Eisstand vorbei, der endlich mal nicht "Closed for the Season" ist. Das Wetter macht ja schon länger Lust auf Eis. Der Gatte nimmt Blueberry Cheesecake und Schokolade, ich habe Butterscotch und "Monster Cookie", das zu meiner Überraschung blau ist. Meine Recherche ergibt: Es ist nicht etwa wegen großer Cookiestücke so benannt, sondern nach dem Cookie Monster aka Krümelmonster, das natürlich blau ist. Geschmeckt hat es aber glücklicherweise wie ganz normales Eis mit Oreo-Cookie-Stücken.
Wir wollten eigentlich noch kurz zu einem Wasserfall, aber das Navi zeigt von dort noch über eine Stunde Fahrt nach Halifax an und daher wird es etwas knapp und wir lassen es. Nach der Weiterfahrt springt das Navi auf 30 Minuten um und das hätte locker gereicht, aber was soll's.
Wir sind also überpünktlich am Flughafen und haben so noch Zeit, im Abflugbereich ein Abschiedsbier zu trinken und ein bisschen was aus dem Meer zu konsummieren. Icelandair hat ja für die niedrigste Saga-Class Buchungsklasse den Lounge Zugang an auswärtigen Flüghäfen gestrichen. Ist in Halifax herzlich egal, die einzige Lounge vor Ort ist wegen Renovierung geschlossen.
Wir teilen uns eine Crab and Lobster Roll sowie Schellfisch. Beides schmeckt nochmal sehr gut.
Im Flugzeug nehmen wir schockiert die Flugzeit von nur 3 h 50 min zur Kenntnis und begeben uns sofort zur Ruhe. Nach etwa zwei Stunden wache ich mal kurz auf, um Nordlichter zu fotografieren. Leider nur schlechte Handyqualität mit Spiegelungen am Fenster. Ich freue mich trotzdem und schlafe noch 30 Minuten bis zur Landung weiter.