Dann machen wir mal zügig weiter, damit der Cliffhanger nicht allzu lange hier im Bericht herumhängt. Erstmal fahren wir an Húsafell vorbei, dort starten viele Touren zum Langjökull, und es gibt ein paar Wanderungen zu heißen Quellen und weiteren Wasserfällen. Haben wir heute aber nicht mehr auf dem Plan, und daher ist Húsafell jetzt nicht so spannend für uns. Die Landschaft ist weiterhin schön mit Herbstfarben, Sonne und Gletschern im Hintergrund.
Zeit für die obligatorischen Mietwagenfotos. Der arme Eclipse ist schon echt mitgenommen, was allerdings nicht meine Schuld ist. Der schwarze Lack ist erfahrungsgemäß auch ziemlich empfindlich und nicht unbedingt optimal für isländische Verhältnisse. Aber er fährt und hat Allrad für angenehmes Fahren auf Schotter. Kommt man (insbesondere ich) ja gerade in Island nur schwer dran vorbei, auch wenn die Straße hier (noch) asphaltiert ist.
Kurz darauf beginnt die 550, der Kaldadalsvegur, der durch das Tal Kalðidalur führt. Da es sich nicht mehr um eine F-Straße handelt und keine Furten hat, dürften wir sie theoretisch auch mit dem Mietwagen fahren, allerdings soll sie spätestens ab dem Langjökull in ziemlich ungemütlichem Zustand sein.
Natürlich fahren wir zumindest ein Stück in die Straße (Schotterpiste) hinein, bis zum Parkplatz mit Informationsschild. Alleine die Landschaft ist lohnend.
Ich weiß gar nicht, ob ich jemals (wenn, ist es lange her) ein isländisches Ortsschild für kleine Orte, das gleichzeitig Ortsplan ist, fotografiert habe.
Die Sicht auf die Gletscher ist großartig.
Hier kann mal die Ausmaße des Langjökull erahnen. Er hat immerhin 953 m², nach dem Vatnajökull der zweitgrößte Gletscher Islands.
Ein paar Berge mit isländischen Herbstfarben gibt es auch noch im Angebot.
Die Info-Tafel am Parkplatz informiert darüber, dass man Hochlandstraßen (F-Straßen) nur mit 4x4 (wichtig ist hier die Unterscheidung, dass es wirklich 4x4 und nicht der gängige SUV Allrad (AWD) sein muss) und mit der Ente befahren werden darf.
Auch wenn 550 nicht mehr als F-Straße klassifiziert ist, sind die ersten Meter schon so ungemütlich holprig, dass wir uns die Fahrt hierüber verkneifen, obwohl es mich natürlich sehr in den Fingern juckt. Vielleicht hatten wir auch schon genügend unerwartet abenteuerliche Schotterstraßen in Kanada.
Wir entscheiden uns also, uns noch ganz wie (vor etwa einer Stunde spontan) geplant kurz Reykholt anzuschauen und dann die 52 Richtung Þingvellier zu fahren.
Bis dahin gibt es aber erstmal noch ein bisschen isländische Herbstlandschaft.
Hier verbrachte auch Snorri Sturlordson (1179 - 1241) einen Großteil seines Lebens, einer der größten isländischen Dichter und Politiker.
Dieser hatte sich hier auch schon sein eigenes Bad gebaut, das man auf dem Gelände besichtigen kann.
Auch ein kleines Wäldchen findet sich hier. Laut Wikipedia bemüht man sich um Aufforstungen rund um den Ort seit 1948. Generell ist uns aufgefallen, dass es schon deutlich mehr Aufforstungen in Island gibt als 2016, und dass die Bäume an einigen Orten in den letzten 10 Jahren ordentlich gewachsen sind. Ja, wir haben dieses Jahr 10-jähriges seit unserem ersten Islandbesuch. Es ist auch wirklich der 10. Besuch hier, und das, obwohl uns Island beim ersten Besuch gar nicht so sehr gepackt hat. Es liegt halt einfach extrem verkehrsgünstig, und man kann verdammt gut in Reykjavík essen. Und bei gutem Wetter ist es ja schon sehr schön hier. Das fehlte bei unserem ersten Besuch leider weitgehend, außer im Süden.
Wir machen uns jetzt bei schönstem Nachmittagslicht auf den Rückweg via Þingvellier nach Reykjavík.Nach kurzer Fahrt kommt dann doch auch auf dieser Strecke ein wenig Spaßfaktor für mich ins Spiel, auch wenn die Straße "nur" zweistellig ist, was jetzt nicht für totale Nebenstrecke spricht, geht es für 15 km ordentlich über Schotter.
Die Landschaft leistet ihren Beitrag zum Spaßfaktor und der Gatte schießt Fotos, wenn es nicht zu rumpelig ist.
Sogar ein kleiner Wasserfall liegt noch am Wegrand.Zwischenzeitlich kommen uns einige (offensichtliche) Mietwagen mit sehr irritiert bis verstört wirkenden Insassen entgegen, die aussehen, als hätten sie nicht damit gerechnet, auf einer Schotterpiste zu landen. Wir wundern uns etwas, schließlich sind das hier in Island völlig normale Straßen und ist es darauf auch erlaubt, bis zu 80 km/h zu fahren (darauf wurden wir bei Mietwagenabholung auch nochmal ausdrücklich hingewiesen, man soll ja kein Verkehrshindernis sein). Außer dass es ab und an etwas holprig ist, ist die Straße nun auch wirklich nicht problematisch, und wir haben kein Problem mit dem Gedanken, so jetzt noch knapp 20 km nach Þingvellier zu fahren.
Kurz darauf wird uns der Grund für die Irritationen des Gegenverkehrs bewusst. Plötzlich mündet die Schotterpiste in einer funkelnagelneuen, bestens - inklusive Mittelstreifen - ausgebauten Asphaltstraße. Da kann man sich schonmal ein bisschen wundern, wenn man plötzlich auf einer Schotterpiste landet. Es ist hier aber durchaus üblich, Straßen je nach Bedarf und Straßenzustand nur teilweise auszubauen.
Landschaftlich belibt es weiter schön.
Wir sind von der Landschaft sehr begeistert. Wir finden, es ist die schönste Strecke nach Þingvellier, die wir bisher gefahren sind.
Der langsam einsetzende Sonnenuntergang trägt das Übrige dazu bei.Langsam kommt der Þingvallavatn in Sicht.
Es ist heute so windstill, dass sich die umliegenden Berge im See spiegeln, aber leider habe ich den Parkplatz mit entsprechendem Ausblick heute verpasst. Da wir nicht wie andere Menschen auf der Strecke, die das Auto mit Warnblinker am Straßenrand parken und durch das bekanntermaßen empfindliche Moos trampeln und so als Negativbeispiel für Touristen in Island fungieren wollen, gibt es kein Foto von der Spiegelung. Genauso wenig wie von dem wunderbaren Ausblick auf Reykjavik im Sonnenuntergang, wo man bei klarer Sicht heute sogar die Hallgrimskirkja von hier oben deutlich erkennen kann.
Pünktlich um 18 Uhr erreichen wir wir wieder unser Hotal in Reykjavík. Das reicht genau für eine schnelle Dusche, um dann erfrischt um 18:30 Uhr unseren Tisch zum Abendessen einzunehmen. Da wir morgen wieder den frühen Flug um 7:40 Uhr gebucht haben, haben wir uns heute für die nahegelegene Variante im Hotel entschieden. Bekanntermaßen schmeckt es ja auch hier sehr gut.
Traudel hat übrigens heute den ganzen Tag ganz stolz die neu erworbene Wolle im Hotelzimmer bewacht.
Als Vorspeise gibt es wie immer die Lobster Soup.
Dazu warmes Sauerteigbrot mit leckerer isländischer Butter.Als Hauptspeise habe ich mich seit Tagen auf die Fish&Chips hier gefreut. Leider hat man nach 5 Jahren die Karte geändert und wir können weder Fis&Chips noch den sehr leckeren Burger, den wir hier schon öfter hatten, finden. Auf Nachfrage bekommen wir allerdings glücklicherweise das Bar-Menü gereicht, auf dem sich beides noch findet, und ich bekomme doch noch meine Fish&Chips als Hauptgericht. Klingt merkwürdig, aber abgesehen davon, dass die Fish&Chips sehr lecker sind, hat der Salat dazu so ziemlich das beste Dressing, dass ich im internationalen Vergleich so bisher hatte, und ich freue mich jedes Mal ebenfalls sehr darauf.
Nach einem Feierabend-Boli in der Bar (glücklicherweise ohne Nordlichter, es hat inzwischen zugezogen), begeben wir uns aufs Zimmer, packen noch schnell unsere Sachen und sind halbwegs zeitig im Bett. Um 4 Uhr klingelt der Wecker und unser Urlaub endet dann leider endgültig.
Der kurze Stopp in Island hat sich aber auf jeden Fall wieder gelohnt und uns sehr gut gefallen.










































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