Freitag, 16. Oktober 2026

Rückreise und Fazit

Dann ringe ich mich auch noch dazu durch, den "unerfreulichen" Teil der Reise zu berichten: Die Rückreise. Zum Glück regnet es inzwischen in Reykjavík, so dass der Abschied nicht ganz so schmerzhaft ist. Um vier Uhr aufstehen ist hingegen immer schmerzhaft, aber die späteren Rückflüge wären deutlich teurer gewesen. So sind wir immerhin vor dem niederländischen Berufsverkehr mit dem Auto auf dem Heimweg.
Der Gatte leidet augenscheinlich noch unter leichten geistigen Schäden aufgrund des kurzen Nachtfluges von vorgestern und erkundigt sich sicherheitshalber mal scherzhaft, ob wir heute nach dem Flug immer noch "heute" haben.  Zu seiner Beruhigung kann ich ihm versichern, dass wir sowohl bei Ankunft in Amsterdam als auch zu Hause weiterhin "heute" haben werden.
 
Die Fahrt zum Flughafen ist wie immer unspektakulär. Zu unsererm Schrecken sind inzwischen bereits um 5:30 Uhr Mitarbeiter bei Europcar anwesend, was den Rückgabeprozess im Vergleich zu "wir werfen den Schlüssel in einen Briefkasten" unverhältnismäßig verlängert. Eine EMail-Bestätigung erhalte ich dieses Mal zur Abwechslung bis heute wieder keine, anscheinend besteht bei Europcar Iceland ziemlich genau eine 50 % Chance dafür. Soll mir auch egal sein, der auf der Kreditkarte bei Abholung als Sicherheit geblockte Betrag wurde inzwischen zurückgebucht.
 
An der Gepäckabgabe ist wie üblich um die Uhrzeit relativ viel los, aber dank Priority sind wir - ebenfalls wie üblich - etwa eine Stunde nach Ankunft bei der Mietwagenabgabe zum Frühstücken in der Lounge. Hier ist es rappelvoll, offenbar ist halb Reykjavík auf Dienstreise, und fast alle kennen sich. Mein Frühstück bleibt undokumentiert.
 
Wir boarden pünktlich und haben an dieeser Stelle noch eine Premiere zu verkünden: Wir fliegen zum ersten Mal einen A321 neo mit hellblauer Heckflosse, der Kennung TF-IAE und dem Namen Hofsjökull. Selbst Icelandair hat inzwischen genug von Boeing und hat aktuell sechs A321LR in der Flotte. 
Aufgrund der Dunkelheit und frühen Uhrzeit bleibt diese Premiere vollkommen undokumentiert. Ich bin sehr gespannt auf die (leider ebenfalls undokumentierten, ich war noch sehr müde) Sitze der Saga-Class, die etwas anders als die in den Boeing-Maschinen sein sollen. Der klare Vorteil aus meiner Sicht: Neben der Fußstütze unter dem Vordersitz gibt es noch eine ausklappbare Beinauflage vorne an der Sitzfläche. Nachteile: Der Sitz ist etwas härter und die Rückenlehnen haben eine Aussparung hinter den Armlehnen, was Traudels Sitzplatz auf selbiger etwas risikobehafteter macht. Grundsätzlich haben mir Sitz und Kabine im A320 aber sehr gut gefallen. Der Gatte merkt an, dass er mit heruntergeklappter Fußstütze seine Füße aufgrund einer Blende unter dem Vordersitz anders als in einer Boeing nicht ausstrecken konnte, was er unbequem fand.
Wir rollen noch an einer der letzten Boeing 757, die noch in Betrieb sind, vorbei. Diese dokumentiere ich dann mal, wer weiß, wie lange man sie noch sieht.
Danach bleibt nur noch ein wolkenverhangener Blick auf die Blaue Lagune. Der Schutzwall gegen die Lava der vergangenen Vulkanausbrüche ist hier eindrucksvoll erkennbar, ...
... und ein schöner Sonnenaufgang über den Wolken.

Danach teste ich die Sitze auf Schlaftauglichkeit und kann nach anderthalb Stunden sehr guten Schlafs ganz klar einen Daumen hoch geben. Die Beinstütze bringt ein deutliches Mehr an Komfort für mich.
Währenddessen konsumiert der Gatte pflichtbewusst ein Frühstück und dokumentiert es auch:

Beim Aufwachen folgen die üblichen Ausblicke auf die niederländische Küste und ein paar Stadt- und Industriegebiete rund um Amterdam. Wenigstens ist das Wetter hier ganz gut.
...wenn wir bei der Landung sehen, dass wir nichts sehen, wissen wir dann auch, dass wir mal wieder auf der Polderbaan gelandet sind.
Wir rollen nochmal fast 20 Minuten zum Terminal. Ab und an kommen wir auch schonmal an ein paar Flugzeugen vorbei, die darauf hindeuten, dass wir uns dem Flughafen nähern.
Vor der Skyline von AMS rollt noch eine 747 vorbei.
Hier bleibt uns ein Busgate erspart, dafür gibt es noch ein bisschen Bewegung, wir sind am hintersten Gate im Schengen Terminal angekommen. Immerhin kommt das Gepäck heute mal relativ zügig. Nach kurzem Warten kommt dann auch der Bus zum Steigenberger, wo wir mit unserem Auto (die Umstellung vom letzten Mietwagen ist dieses Mal ja nur geringfügig) die endgültige Heimreise antreten.
 
Zu Hause begrüßt uns immerhin Nachbars Ahorn mit einer prächtigen Fall Foilage, und damit endet auch dieser  - gewohnt opulent bebilderte - Reisebericht.
Der Vollständigkeit halber: Abends wurde eine Pizza und ein Salat vom Haus- und Hof-Pizzabäcker Luigi geteilt.
 
Was bleibt neben diesem Bericht mit vielen Fotos und schönen Erinnerungen:
 
- knapp 2000 gefahrene Kilometer in Kanada
- etwa 300 gefahrene Kilometer in Island
- fast 160 Kilometer in den Füßen und Beinen in 10 Tagen
 
Wildlife: 
- unzählige Rehe, insbesondere im Zentrum von St. Andrews
- 1 Koyote und 1 vermeintlicher Koyote, der sich als Schäferhund entpuppte
- 1 freundlicher, liebesbedürftiger Hund
- diverses Geflügel
- 4 Katzen in Reykjavík
... und wie so oft: keine Elche (auch keine Bären und Biber).
 
(Spoiler: der nächste Urlaub wird definitiv keine Chance auf Elchsichtung haben.) 
 
Das Traumwetter in Island und die überraschenden und heftigen Nordlichter waren sozusagen noch die Kirsche auf der Urlaubstorte. 
 
Was uns auf der ganzen Reise wirklich irritiert hat, war, wie miserabel bis nicht vorhanden das Handynetz/ mobile Internet  in Nova Scotia und New Brundwick war. Selbst in bewohnten Gebieten. War uns vermutlich 2018 schon aufgefallen, haben wir aber vermutlich dann auch wieder verdrängt. Wir sind ja nicht verloren gegangen, insbesondere dank der freundlichen Senioren, die uns im Wald von New Brunswick aufgelesen haben.
 
Leider stellt Icelandair die Verbindung nach Halifax ab Oktober jetzt auch wieder ein, schade. Gut, dass wir sie noch mitgenommen haben. Ansonsten gäbe es halt die Möglichkeiten über Toronto und Montreal oder Non-Stop ab FRA mit Eurowings sowie ab AMS mit Westjet. Vielleicht kommen wir ja nochmal irgendwann zurück, so gut wie es uns dieses Mal wieder gefallen hat und so erfreulich wenig überlaufen wie es doch Ende September in der Gegend war.
Ich hoffe weiterhin, dass Icelandair St. John's  in Neufundland irgendwann in den Flugplan aufnimmt, damit man sich auch hier den Umweg über Toronto oder Montreal sparen kann. Da würden wir auch sehr gerne nochmal hin, und es wäre schön, wenn es auch hier bequem und schnell mit Zwischenstopp in Island ginge (heftiges Gestikulieren in Richtung KEF zur Icelandair-Zentrale an dieser Stelle bitte dazudenken).
 
Jetzt kann man schon langsam anfangen, die Tage bis zum Abflug nach Neuseeland zu zählen, Stand heute sind es noch 124.
Ich werde natürlich berichten.
 
Wer sich dafür interessiert, ich habe die Woche zu Hause bereits genutzt und die neu erbeutete Wolle "angestrickt": Zumindest wurden mal die Farbkombis und Muster an zwei Ärmeln getestet und für gut befunden.
Jetzt muss ich aber erstmal mein Großprojekt von letztem Jahr zuende stricken: Eine Decke, deren Muster ich mir von einer Fleece-Decke in einem Ferienhaus in Norwegen letztes Jahr abgeschaut und in ein Strickmuster umgewandelt habe. Bei sommerlichen Temperaturen war hier definitiv Strickpause. Die nach dem Urlaub wie üblich streikende Heizung hat meine Motivation jetzt wieder drastisch erhöht, und das gute Stück wird wohl in den kommenden Wochen fertig werden.
Jetzt bleibt mir nur noch wie immer ein hocherfreutes "Danke fürs Mitlesen und kommentieren!" und nicht vergessen: der Countdown läuft.

Samstag, 10. Oktober 2026

Ein traumhafter Tag in Island - Reykholt und Rückfahrt

Dann machen wir mal zügig weiter, damit der Cliffhanger nicht allzu lange hier im Bericht herumhängt. Erstmal fahren wir an Húsafell vorbei, dort starten viele Touren zum Langjökull, und es gibt ein paar Wanderungen zu heißen Quellen und weiteren Wasserfällen. Haben wir heute aber nicht mehr auf dem Plan, und daher ist Húsafell jetzt nicht so spannend für uns. Die Landschaft ist weiterhin schön mit Herbstfarben, Sonne und Gletschern im Hintergrund.

Zeit für die obligatorischen Mietwagenfotos. Der arme Eclipse ist schon echt mitgenommen, was allerdings nicht meine Schuld ist. Der schwarze Lack ist erfahrungsgemäß auch ziemlich empfindlich und nicht unbedingt optimal für isländische Verhältnisse. Aber er fährt und hat Allrad für angenehmes Fahren auf Schotter. Kommt man (insbesondere ich) ja gerade in Island nur schwer dran vorbei, auch wenn die Straße hier (noch) asphaltiert ist.

Kurz darauf beginnt die 550, der Kaldadalsvegur, der durch das Tal Kalðidalur führt. Da es sich nicht mehr um eine F-Straße handelt und keine Furten hat, dürften wir sie theoretisch auch mit dem Mietwagen fahren, allerdings soll sie spätestens ab dem Langjökull in ziemlich ungemütlichem Zustand sein.
Natürlich fahren wir zumindest ein Stück in die Straße (Schotterpiste) hinein, bis zum Parkplatz mit Informationsschild. Alleine die Landschaft ist lohnend.




Ich weiß gar nicht, ob ich jemals (wenn, ist es lange her) ein isländisches Ortsschild für kleine Orte, das gleichzeitig Ortsplan ist, fotografiert habe.
Die Sicht auf die Gletscher ist großartig.
Hier kann mal die Ausmaße des Langjökull erahnen. Er hat immerhin 953 m², nach dem Vatnajökull der zweitgrößte Gletscher Islands.

Ein paar Berge mit isländischen Herbstfarben gibt es auch noch im Angebot.
Die Info-Tafel am Parkplatz informiert darüber, dass man Hochlandstraßen (F-Straßen) nur mit 4x4 (wichtig ist hier die Unterscheidung, dass es wirklich 4x4 und nicht der gängige SUV Allrad (AWD) sein muss) und mit der Ente befahren werden darf.
Auch wenn 550 nicht mehr als F-Straße klassifiziert ist, sind die ersten Meter schon so ungemütlich holprig, dass wir uns die Fahrt hierüber verkneifen, obwohl es mich natürlich sehr in den Fingern juckt. Vielleicht hatten wir auch schon genügend unerwartet abenteuerliche Schotterstraßen in Kanada. 

Wir entscheiden uns also, uns noch ganz wie (vor etwa einer Stunde spontan) geplant kurz Reykholt anzuschauen und dann die 52 Richtung Þingvellier zu fahren.
Bis dahin gibt es aber erstmal noch ein bisschen isländische Herbstlandschaft.

In Reykholt gibt es eine architektonisch interessante neue und eine hübsche kleine alte Kirche. Unterhalb der neuen Kirche befindet sich außerdem noch ein Museum, das wir aber nicht besucht haben.
Hier verbrachte auch Snorri Sturlordson (1179 - 1241) einen Großteil seines Lebens, einer der größten isländischen Dichter und Politiker.
Dieser hatte sich hier auch schon sein eigenes Bad gebaut, das man auf dem Gelände besichtigen kann.
Auch ein kleines Wäldchen findet sich hier. Laut Wikipedia bemüht man sich um Aufforstungen rund um den Ort seit 1948. Generell ist uns aufgefallen, dass es schon deutlich mehr Aufforstungen in Island gibt als 2016, und dass die Bäume an einigen Orten in den letzten 10 Jahren ordentlich gewachsen sind. Ja, wir haben dieses Jahr 10-jähriges seit unserem ersten Islandbesuch. Es ist auch wirklich der 10. Besuch hier, und das, obwohl uns Island beim ersten Besuch gar nicht so sehr gepackt hat. Es liegt halt einfach extrem verkehrsgünstig, und man kann verdammt gut in Reykjavík essen. Und bei gutem Wetter ist es ja schon sehr schön hier. Das fehlte bei unserem ersten Besuch leider weitgehend, außer im Süden.
Wir machen uns jetzt bei schönstem Nachmittagslicht auf den Rückweg via Þingvellier nach Reykjavík.

Nach kurzer Fahrt kommt dann doch auch auf dieser Strecke ein wenig Spaßfaktor für mich ins Spiel, auch wenn die Straße "nur" zweistellig ist, was jetzt nicht für totale Nebenstrecke spricht, geht es für 15 km ordentlich über Schotter. 
Die Landschaft leistet ihren Beitrag zum Spaßfaktor und der Gatte schießt Fotos, wenn es nicht zu rumpelig ist.
Sogar ein kleiner Wasserfall liegt noch am Wegrand.

Zwischenzeitlich kommen uns einige (offensichtliche) Mietwagen mit sehr irritiert bis verstört wirkenden Insassen entgegen, die aussehen, als hätten sie nicht damit gerechnet, auf einer Schotterpiste zu landen. Wir wundern uns etwas, schließlich sind das hier in Island völlig normale Straßen und ist es darauf auch erlaubt, bis zu 80 km/h zu fahren (darauf wurden wir bei Mietwagenabholung auch nochmal ausdrücklich hingewiesen, man soll ja kein Verkehrshindernis sein). Außer dass es ab und an etwas holprig ist, ist die Straße nun auch wirklich nicht problematisch, und wir haben kein Problem mit dem Gedanken, so jetzt noch knapp 20 km nach Þingvellier zu fahren.

Kurz darauf wird uns der Grund für die Irritationen des Gegenverkehrs bewusst. Plötzlich mündet die Schotterpiste in einer funkelnagelneuen, bestens - inklusive Mittelstreifen - ausgebauten Asphaltstraße. Da kann man sich schonmal ein bisschen wundern, wenn man plötzlich auf einer Schotterpiste landet. Es ist hier aber durchaus üblich, Straßen je nach Bedarf und Straßenzustand nur teilweise auszubauen.
Landschaftlich belibt es weiter schön.

Was für ein hübscher Sattel, durch den wir hier gleich fahren werden.


Wir sind von der Landschaft sehr begeistert. Wir finden, es ist die schönste Strecke nach Þingvellier, die wir bisher gefahren sind.
Der langsam einsetzende Sonnenuntergang trägt das Übrige dazu bei.
Langsam kommt der Þingvallavatn in Sicht.
Es ist heute so windstill, dass sich die umliegenden Berge im See spiegeln, aber leider habe ich den Parkplatz mit entsprechendem Ausblick heute verpasst. Da wir nicht wie andere Menschen auf der Strecke, die das Auto mit Warnblinker am Straßenrand parken und durch das bekanntermaßen empfindliche Moos trampeln und so als Negativbeispiel für Touristen in Island fungieren wollen, gibt es kein Foto von der Spiegelung. Genauso wenig wie von dem wunderbaren Ausblick auf Reykjavik im Sonnenuntergang, wo man bei klarer Sicht heute sogar die Hallgrimskirkja von hier oben deutlich erkennen kann.

Pünktlich um 18 Uhr erreichen wir wir wieder unser Hotal in Reykjavík. Das reicht genau für eine schnelle Dusche, um dann erfrischt um 18:30 Uhr unseren Tisch zum Abendessen einzunehmen. Da wir morgen wieder den frühen Flug um 7:40 Uhr gebucht haben, haben wir uns heute für die nahegelegene Variante im Hotel entschieden. Bekanntermaßen schmeckt es ja auch hier sehr gut.
Traudel hat übrigens heute den ganzen Tag ganz stolz die neu erworbene Wolle im Hotelzimmer bewacht.


Als Vorspeise gibt es wie immer die Lobster Soup.
Dazu warmes Sauerteigbrot mit leckerer isländischer Butter.
Als Hauptspeise habe ich mich seit Tagen auf die Fish&Chips hier gefreut. Leider hat man nach 5 Jahren die Karte geändert und wir können weder Fis&Chips noch den sehr leckeren Burger, den wir hier schon öfter hatten, finden. Auf Nachfrage bekommen wir allerdings glücklicherweise das Bar-Menü gereicht, auf dem sich beides noch findet, und ich bekomme doch noch meine Fish&Chips als Hauptgericht. Klingt merkwürdig, aber abgesehen davon, dass die Fish&Chips sehr lecker sind, hat der Salat dazu so ziemlich das beste Dressing, dass ich im internationalen Vergleich so bisher hatte, und ich freue mich jedes Mal ebenfalls sehr darauf.
Der Gatte nimmt die pfannengebratene Version des Kabeljaus und ist ebenfalls sehr zufrieden.
Nach einem Feierabend-Boli in der Bar (glücklicherweise ohne Nordlichter, es hat inzwischen zugezogen), begeben wir uns aufs Zimmer, packen noch schnell unsere Sachen und sind halbwegs zeitig im Bett. Um 4 Uhr klingelt der Wecker und unser Urlaub endet dann leider endgültig.
Der kurze Stopp in Island hat sich aber auf jeden Fall wieder gelohnt und uns sehr gut gefallen.