Donnerstag, 2. Juli 2020

Auf der Flucht - Iceland is open! 01.07.2020 Teil 1: Gullfoss

Der heutige Tag wird erwartungsgemäß etwas fotobetont, bei den geplanten Zielen Gullfoss und Geysir ist das kein Wunder. Das stündlich besser werdende Wetter ist sowohl der Bilderflut, als auch einem leichten Sonnenbrand sehr zuträglich. Die Anzahl der Fotos ist hierbei direkt proportional zur Sonnenbrandintensität.

Beim Frühstück denken wir aufgrund des Regens in Reykjavik weder an das eine, noch an das andere. Unsere Entscheidung für Gullfoss und Geysir erfolgt aufgrund der guten Wettervorhersage für diese Region.

Nach dem Frühstück verlassen wir Reykjavik bei starker Bewölkung und leichtem Regen Richtung Nordosten und folgen zunächst der Straße Richtung Þingvellir Nationalpark. Diesen lassen wir allerdings heute auf der Strecke liegen, wir haben ihn sowohl bei gutem Wetter im Sommer, als auch im Winter gesehen. Die einmalige Chance auf ungestörte Fotos an Wasserfall und Geysir verlockt noch dazu einfach mehr. Die weitgehend leere Strecke lässt sich zügig zurücklegen und so erreichen wir am späten Vormittag den mit vielleicht 20 Autos besetzten Parkplatz am Gullfoss.

Aufgrund des aktuell noch nicht vorhandenen Besucherstromes sind noch einige Renovierungsarbeiten am oberen Weg im Gange, diesen kann man aktuell nicht begehen. Das macht aber nichts, wir wollten sowieso heute den unteren Weg beschreiten, dort ist die Aussicht besser und bei unserem letzten Besuch 2016 war dieser so voll, dass wir dankend darauf verzichtet haben, ihn überhaupt zu begehen.

Heute sind zur "Hochzeit" etwa 20 Personen auf dem gesamten Gelände anwesend, teilweise sind wir sogar völlig allein. Frau kann sich in allen denkbaren und undenkbaren Positionen, mit und ohne Stativ zum ersten Mal für heute fotografisch austoben. Erfreulicherweise ist das Wetter inzwischen richtig sonnig. Auf viel Text folgen somit noch mehr Bilder.

Schöne Schlucht hinter dem Wasserfall



Sorgfältig und ungestört ausgewählte Wasserfallperspektiven











Da sowohl Platz als auch Zeit reichlich vorhanden sind, fange ich an mit Stativ, ND-Filter und Langzeitbelichtung zu experimentieren. Wirkt auf mich immer etwas kitschig, aber man hat ja sonst nichts zu tun und bevor der Gullfoss noch vereinsamt...










Interessante Effekte, der Wasserfall mutiert zum Teil fast zum Gletscher, aber trotz allem drängt sich mir jedes Mal die Assoziation zu 80er-Jahre Airbrush-Kitsch-Postern auf. Aber man will sich halt fotografisch auch mal weiterentwickeln und muss dazu auch mal die eigene Komfortzone verlassen. Apropos Komfortzone, hier ist so wenig los, dass man mitten auf der Straße stehend die umgebende Landschaft fotografieren kann, nicht nur ohne vom Bus überfahren zu werden, sondern sogar ohne überhaupt einem Auto zu begegnen.


Zur Unterstützung der örtlichen Souveniergeschäfte in schweren Zeiten (und weil die Sonne inzwischen wirklich heftig vom Himmel brennt) kauft sich mein Mann mal lieber noch ein Käppi zum Schutz des Hauptes im weiteren Tagesverlauf. Als hätte er geahnt, dass er heute noch sehr viel Zeit mit rumstehen in der prallen Sonne verbringen sollte.

Mittwoch, 1. Juli 2020

Auf der Flucht - Iceland is open! 30.06.2020, Teil 2

Wir verlassen die Autovermietung in Richtung Süden und treffen schon bald auf die erste Sehenswürdigkeit, die wir letztes Mal ausgelassen haben, die Riftzone zwischen eurasischer und nordamerikanischer Platte, die hier - mehr oder minder dekorativ - von der "Brücke zwischen den Kontinenten" überspannt wird.
Hierzu muss man vielleicht erwähnen, dass die Halbinsel Reykjanes geologisch zur Riftzone, die quer über die Insel verläuft, gehört und damit geologisch sehr viel Ähnliches wie das Gebiet Namafjall im Norden der Insel am Myvatn zu bieten hat. Da wir so weit dieses Mal in den 5 Tagen nicht kommen werden, kann man sich das Ganze "in klein" ja auch einmal in Ruhe anschauen. Mittlerweile wurde die Halbinsel auch zum "Geopark" befördert https://www.visitreykjanes.is/en

Die  Riftzone 


Eindeutig vulkanische Formen


 Dazwischen immer mal wieder hübsche Blümchen
Auch einige dampfende und schwefelig riechende Gegenden gibt es hier natürlich. Wir statten Gunhuver, einer heißen, dampfenden Schlammquelle, benannt nach einem weiblichen Geist, der in der Gegend sein Unwesen getrieben haben soll, einen Besuch ab.
Gunhuver scheint in letzter Zeit sehr erzürnt gewesen zu sein und hat wohl eine der Aussichtsplattformen zerstört. Sieht irgendwie gespenstisch aus.
Da die ganze Halbinsel in letzter Zeit wieder Erdbebenaktivität aufgewiesen hat, kann es durchaus sein, dass ein solcher dampfender Pool mal eben seine Lage etwas verändert.
Wir spazieren noch ein wenig durch die Gegend und bewundern die trotz des grauen Wetters farbenprächtige Landschaft.

Schwefelablagerungen

Aussicht auf Gunhuver

Natürlich darf ein Geothermiekraftwerk hier nicht fehlen.

Da wir recht dicht am Meer sind, auch wenn wir es gerade nicht sehen können, ergibt sich nebenbei noch eine schöne Aussicht auf einen auf einem kleinen Hügel liegenden Leuchtturm.

Mittlerweile wird uns wieder bewusst, dass in Island doch recht frische Temperaturen herrschen, zumal ich - sonst eher als wandelnde Heizung berüchtigt - inzwischen Hunger habe und dann unweigerlich zur Frostbeule mutiere. Daher begeben wir uns zum Auto, und ich mache mich erst einmal über ein Tütchen Chips aus dem Snackpaket vom Hinflug her. Inzwischen ist das Wetter etwas nieselig und somit verkneifen wir uns den Abzweig zur blauen Lagune. Wir folgen der Straße durch vielfältige Lavafelder mit und ohne Moosdekoration. Die schönen blauen Abkühlungsbecken haben wir ja bereits 2017 in traumhafter Winterkulisse (und extrem frierend) bewundert. Langsam zieht es uns auch Richtung Hotel und so biegen wir auf die 42 nach Norden Richtung Kleifarvatn ab und machen noch zwei landschaftlich schöne Fotostops.

Den ersten Halt machen wir am Graenavatn, in dessen Hintergrund sich natürlich auch wieder ein bunter, rauchender Berg befindet. Bei besserem Wetter wäre der See auch noch richtig schön türkis.

Unser letzter heutiger Halt ist der Kleifarvatn, vom Aussichtspunkt kann man auch gut die abenteuerlich durch die Gesteinsformationen gewunden Straßen erkennen.

Gegen 19 Uhr erreichen wir unser Hotel für die 5 kommenden Nächte, das uns als Basis für unsere Ausflüge dienen wird. Daher liegt es auch etwas außerhalb des Zentrums, an einer nicht weiter störenden Durchgangsstraße gelegen. Die moderne Lobby des Grand Hotel Reykjavik (für das wir aufgrund der Corona-Situation für 5 Nächte etwa genauso viel zahlen wie bei den letzten beiden Reisen für 2 Nächte in der Gegend) überzeugt schonmal.


Auch das Zimmer gefällt uns und ist für isländische Verhältnisse in der Tat geräumig und luxuriös. 

 Im 12. Stock haben wir noch dazu eine fantastische Aussicht über Reykjavik.

Das Abendessen nehmen wir aus Bequemlichkeit im Hotelrestaurant ein, es gibt Lamm mit Thymian, Meeresfrüchtesuppe, gratinierten Fisch und Frittierten Kabeljau, zum Nachtisch - natürlich - Skyr mit Blaubeeren. Wir sind zufrieden mit dem ersten Tag, in Summe ergaben sich sogar trotz Anreise noch knappe 6 km Laufstrecke, die Fahrtroute war wie folgt:

Auf der Flucht - Iceland is open! 30.06.2020, Teil 1

Weil alles ganz schnell gehen muss (irgendwie sind unsere Island-Urlaube immer unweigerlich mit Spontanität und ein wenig Hau-Ruck-Aktion assoziiert), sitzen wir heute auch schon im Auto und fahren dank der Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h gemütlich nach Amsterdam.

Am Flughafen Schiphol erwarten uns gespenstisch leere Terminals, die es einem aber immerhin leicht machen, abstand zu halten.


Der Check-in verläuft für uns schnell und reibungslos, obwohl nur zwei Schalter besetzt sind und einige Reisende ihr COVID19-Einreiseformular für Island noch nachreichen müssen. Wider Erwarten ist sogar die Aspire Lounge 26 in Schiphol geöffnet ... und ebenfalls leer.

Das Buffet ist eher mager, immerhin bietet man uns an, frische warme Suppe zu servieren. Das nehmen wir gerne an, da wir nicht wissen, ob uns der von Icelandair angekündigte Snack wirklich über einen dreistündigen Flug rettet.

Unsere Maschine, die TF-FIX mit dem schönen Namen "Hengill"

ist erstaunlicherweise zu etwa 2/3 gefüllt. Das Boarding erfolgt streng nach Reihen in kleinen Gruppen. Als Service gibt es eine abgepackte Mahlzeit für die Saga-Class,

in der Economy gibt es nur eine Flasche Wasser. Icelandair bietet hier aber auch sonst nur Mahlzeiten zum Verkauf an. Vorbei an wenigen aktiven und vielen geparkten und überwiegend blauen Flugzeugen rollen wir zur Startbahn.





Irgendwie passen die Saga-Class Sitze und mein Körper hervorragend zusammen und so falle ich - wie auf fast jedem bisherigen Flug mit Icelandair - in einen recht erholsamen zweistündigen Nachmittagsschlaf. Eine knappe Stunde vor Landung erwache ich mit einem leichten Hungergefühl und bin angenehm überrascht von dem abgepackten Snack:

"Mosi" entpuppt sich überraschenderweise als sehr leckerer Ruccolasalat mit Kirschtomaten und gebratenem Kürbis und auch die Hähnchenbrust dazu schmeckt deutlich besser als sie aussieht. Die außerdem in der Snacktüte befindlichen Knabbereien werden uns auf unseren Ausflügen sicherlich auch noch gute Dienste leisten.
Zwischenzeitlich haben wir sogar ein wenig Aussicht auf den "Unaussprechlichen", der vor einigen Jahren den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte.
Geradezu unschuldig ruht der Eyafjallajökull unter seiner Gletscherdecke und schon landen wir, natürlich wie es sich für Island gehört, bei 10 Grad und leichtem Regen in Keflavik. Auch hier viele geparkte Flugzeuge, unter anderem auch die Icelandair Jubiläumslackierung. Die Hekla Aurora im Nordlicht-Design scheint allerdings schon wieder unterwegs.

Unmittelbar nach der Landung (das Deboarding erfolgt wieder in Kleingruppen streng nach Reihen) kommen wir noch in den Genuss eines COVID19-Tests, den Island alternativ zur zweiwöchigen Quarantäne anbietet. Schnell und unspektakulär (es gibt wahrlich schlimmeres) werden zwei Proben entnommen, das Ergebnis wird uns noch am selben Abend über die isländische Corona-App mitgeteilt. Da wir  erwartungsgemäß negativ getestet sind, dürfen wir uns seitdem in Island mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen bewegen. Die Mietwagenabholung ist wiedr recht unspektakulär, wir werden aufgefordert, einfach alle Schäden zur Dokumentation fotografieren. Wir erhalten einen Suzuki Vitara mit erstaunlichen 119500 km auf der Uhr und das auf so einer kleinen Insel. Soll uns für 5 Tage egal sein, er fährt anständig und Reifen und Bremsen sind in Ordnung.

Zwischenzeitlich ist es 17 Uhr und wir entscheiden uns, noch ein wenig die Halbinsel südlich des Flughafens zu erkunden, das kam beim ersten Urlaub ein wenig zu kurz. Dazu mehr in Teil 2.

Sonntag, 28. Juni 2020

Auf der Flucht - Iceland is open! 2020

Dank Corona und diverser Umstände war Urlaub bis vor einigen Tagen so ziemlich das letzte, was wir für die nächsten Monate auf dem Schirm hatten. Nach einem unerwareten Schicksalsschlag, der uns völlig aus der Bahn zu werfen drohte, haben sich jedoch sowohl die äußeren Umstände, als auch unsere Einstellung zu Urlaub schlagartig geändert.
Corona war immer noch da, in Massenunterkünfte zieht es uns ohnehin nicht, aber wir müssen dringend einige Tage Abstand gewinnen. Wie der Zufall so will, hatten wir für diese Woche schon vor längerer Zeit Urlaub genommen. Spontane Reisen in Deutschland pünktlich zu Beginn der Sommerferien in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland gestalten sich in einem Jahr, wo die meisten Deutschen in der Heimat urlauben, schwierig. Außerdem macht sich diesbezüglich eine  leichte Plan- und Motivationslosigkeit breit. Auch das für einige Tage in sinnvoller Autoreichweite liegende Ausland erscheint uns eher aussichtslos und wenig verlockend. Aber wie das so nach Schicksalsschlägen ist, man kommt in Versuchung, auch mal etwas gewagteres zu tun.

Wie der Zufall so will, stolpere ich über die Info, "Iceland is open!" (nur für europäische Touristen) und noch dazu ist Island auch noch weitgehend Corona-frei (dies wird auch durch einen Test bei Einreise in einem gewissen Rahmen sicherzustellen versucht). Der Gedanke, auf engem Raum mit vielen Menschen zu fliegen, behagte mir zwar noch weniger als sonst, aber was meiner Sozialphobie genügt, genügt wohl auch zur Risikominimierung, es gibt ja immernoch "die C". Aber wie kommt man überhaupt nach Island? Icelandair fliegt nämlich die deutschen Flughäfen nur sporadisch und nicht an den uns passenden Tagen an. Aber es gibt ja noch Amsterdam in "Autoreichweite". Bei spontanen Aktionen, die aus der Not heraus geboren werden, hat man nicht unbedingt den Luxus, auf einen günstigen Preis zu schauen, aber es muss sein. Wir müssen raus und die Gelegenheit, Island so leer zu erleben, kommt vermutlich nie wieder. Dafür sind die Hotels und der Mietwagen für isländische Verhältnisse quasi spotbillig (die isländische Krone fliegt auch nicht mehr so hoch wie beim ersten Urlaub 2016) und so finden wir recht schnell einen Mietwagen und ein schönes Hotel in Reykjavík. Das Hotel liegt nicht ganz im Zentrum, dafür mit guten Parkmöglichkeiten und günstig gelegen für Ausflüge. Reykjavík ist ohnehin eine der übersichtlicheren Hauptstädte und wir kennen uns beim dritten Besuch auch schon ein wenig aus, also wissen wir ziemlich genau, wo unsere Prioritäten liegen und worauf wir uns einlassen.

Jetzt haben wir noch genau einen Tag für die Vorbereitungen und am Dienstag geht es los. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so spontan. Und ich hätte nie gedacht, dass ich schon diesen Sommer möglicherweise einen der ersten Reiseberichte während und trotz Corona schreiben würde.
Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.

Ich werde berichten.