Donnerstag, 13. September 2018

Go West, aber nicht so weit! 07./08.09.2018

Halifax - Toronto - Amsterdam - @Home

(oder auch: die Rückreise)

Gegen halb 10 verlassen wir unser Hotel und fahren direkt nach Darthmouth zur Mic Mac Mall. Dort haben wir nämlich vorgestern auf dem Weg nach Halifax ein "The Bay" gesehen und dort gibt es die Jeans, die frau passen. Also warum nicht noch ein bisschen Shopping, bevor es zum Flughafen geht. So einen halben Tag kann frau das ja mal ertragen. Aber erstmal: Frühstück.
Ich werde es vermissen. Vielleicht sollte ich mal über Jobalternativen nachdenken und die erste deutsche Tim Hortons Filiale eröffnen. Geographen können ja bekanntlich alles...

Nach dem Frühstück bummeln wir durch das Einkaufscenter und ich wühle mich (ausnahmsweise mal) durch die Sonderangebote zu End of School, End of Summer, Start of Autumn, Labour day ist gerade vorbei...
Wie immer finde ich aber nichts, was passt oder gefällt. Nur bei den Jeans werde ich fündig, muss auch sein, die bekomme ich in Deutschland irgendwie nicht. Apropos Deutschland, shoppen bei "The Bay" bringt einem in Kanada kurz vor der Heimreise immer irgendwie auf den Boden der deutschen Tatsachen zurück. Der Service dort ist für kanadische Verhältnisse sowohl was Freundlichkeit, als auch was Personaldichte angeht, nicht vorhanden, heißt, auf dem Niveau von Kaufhof in Deutschland oder noch darunter. Zumindest habe ich es bisher bei allen Besuchen bei "The Bay" so erlebt. Schadet ja nicht, so als "Wiedereingliederungsmaßnahme" für die Heimreise. So riesig ist das Einkaufscenter auch ansonsten nicht, und frau verliert ja bekanntlich beim shoppen auch recht schnell Geduld und Motivation, wenn es nicht wenigstens irgendwo was "handfestes" (wie Bögen, Gartengerät oder Küchengeräte, wenn es sein muss auch Tiernahrung oder Topfflanzen) zu kaufen gibt. Also bleibt uns nur, gemütlich zum Flughafen zu fahren und uns endgültig von der Hoffnung auf Elchbegegnungen im diesjährigen Urlaub zu verabschieden.

Auch von unserem wirklich komfortablen Ford Edge verabschieden wir uns, die Mietwagenrücknahme verläuft - wie bisher immer bei Alamo - vollkommmen unproblematisch. Schade, dass er nicht ins Gepäck passt, sonst hätte ich ihn glatt mitgenommen.
Wir geben unsere Koffer auf, die jetzt doch ein paar Kilo mehr haben, als auf dem Hinflug, aber wir haben immer noch Luft nach oben. Jetzt muss sich frau noch schnell mit ein paar Ahornkeksen, Ahornschokolade und Ahorntee eindecken, danach begeben wir uns in die Maple Leaf Lounge. Diese (wir fliegen ja inländisch zunächst nach Toronto, ich wage aber zu bezweifeln, dass es auf diesem kleinen Flughafen mehrere Lounges gibt) ist relativ klein und eher unspektakulär. Aber das Highlight sollte ja in Toronto noch kommen. Also nur ein paar nicht weiter dokumentierte Kleinigkeiten (Suppe, Nachos, Cookies und kalte Getränke) gegen den kleinen Hunger zwischendurch konsummiert und aufs Boarding gewartet. Nach der uralten (nicht so alt wie sie aussah) Embraer 190 vom Hinflug haben wir jetzt die Ehre, mit einer gerade mal zwei Monate alten Boeing 737 Max 8 (C-FSOC) zu fliegen. Diese kommt aus London, da Air Canada inzwischen die Strecke YHZ - LHR mit der 737 Max fliegt. Die 737 Max hat in der Business Class sehr bequeme, breite, allerdings keine Lie Flat Sitze. Für die gut zwei Stunden Flug nach Toronto super bequem, ob ich einen Nachtflug nach London damit bestreiten wollen würde, bin ich mir nicht sicher, dazu hätte ich mal die volle Neigung und Tauglichkeit als Schlafposition austesten müssen, da war mir allerdings nicht nach, ich war anderweitig beschäftigt:
Zunächst musste ich noch ein wenig die wunderbare Aussicht genießen, Halifax verabschiedet uns nämlich noch einmal mit Traumwetter.
Auch ansonsten bieten sich, bevor leichte Bewölkung aufzieht, noch ein paar sehr schöne Ausblicke auf bekanntes und unbekanntes. (Aus Platz- und Motivationsgründen, ab hier setzt doch eine leichte Urlaubsenddepression ein, gibt es in diesem Beitrag nur noch Handyfotos.)

Schöne Spiegelungen

Es mäandriert so schön!

 Digby Neck und Annapolis Valley

Überflug Saint John mit Blick nach Südwesten

Es werden die am besten temperierten warmen Nüsschen auf all meinen bisherigen Flügen gereicht, offenbar hat die 737 max ein hervorragendes Nüsschen-Temperationsgerät.
Als Hauptspeise haben wir die Wahl zwischen "irgendwas mit Huhn" (mein Foto von der Speisekarte ist leider völlig unscharf) und Käseravioli mit Tomaten Basilikumsoße, Spinat (ich glaube eher, es war Grünkohl) und Mozarella (sehr lecker), Grünkohlsalat (nicht probiert, den vertrage ich nicht) und Karottenkuchen (ebenfalls lecker).
Außerdem gönne ich mir als seichte Nachmittagsunterhaltung den dritten Teil von Mazerunner, der ziemlich genau in die Flugzeit passt.

Und da wären wir wieder. Ziemlich dunstig, aber wenigstens mal kein Gewitter in Toronto.
Bei der Landung erfreut sich frau noch an einer Air Canada B777-333 C-FIUR
und das Kind in mir an einer Westjet B737-8 in Disney World Liverey (C-GWSV).

Nachdem wir wie immer zügig das Flugzeug verlassen haben, begeben wir uns zum letzten Highlight unseres Urlaubs, der Air Canada Signature Suite, die ein exklusives Loungeerlebnis nur für zahlende Business Class Kunden gebucht auf Interkontinentalflügen von Toronto aus bieten will. Durch die Zugangsbeschränkung auf bestimmte Tickets soll eine Überfüllung der Lounge vermieden werden, momentan testet man dies aus, um dann die Zugangskriterien noch anzupassen. Ich bin bezüglich des Erlebnisses "AC Signature Suite" ein wenig zwiegespalten.
Positiv ist auf jeden Fall das reichlich vorhandene und unglaublich freundliche Personal sowie die wirklich hervorragende Speisen und Getränkeauswahl. Sowohl die Speisen am Buffet sehen sehr gut aus (probiert haben wir nur ein paar Antipasti, da wir noch einige Gerichte von der Karte im Restaurantbereich testen wollen).
Auch die Gerichte im Restaurantbereich sind sehr gut, die Portionen, insbesondere die Vorspeisen sind allerdings recht klein, was widerum den Vorteil hat, dass man getrost auch mehrere probieren kann. Man wird auch dazu eingeladen, sich auch gerne während der Zeit im Restaurantbereich zusätzlich am Buffet zu bedienen. Wir probieren beide die Vorspeise mit Tintenfisch, ich nehme außerdem den Salat mit Buttermilchdressing und kandierten Pekanüssen und mein Mann die Shortrib. Danach widmen wir uns noch einer ausgiebigen Nachtischverkostung, beide nehmen wir das Panna Cotta mit Rhabarber und Crisp und ich teste außerdem noch das Pistazieneis. Der Nachtisch hat es auch als einziges aufs Bild geschafft. Die Gier halt wieder...
Warum bin ich also dennoch zwiegespalten bei unserem Loungebesuch? Nunja, aus meiner Sicht geht das Konzept der exklusiven, nicht überlaufenen Lounge so nicht auf. Die Lounge war schlichtweg rappelvoll am späten Nachmittag/frühen Abend. Im "Loungebereich" war während der ganzen drei Stunden kein Platz zu bekommen. Als wir ankamen, wurden wir gebeten, im Buffetrestaurant Platz zu nehmen, man würde uns Bescheid geben, wenn im Restaurant ein Platz frei sei. Das wurde allerdings dann auch bei nächster Gelegeneheit aktiv getan. Das Personal sagt allerdings selbst, sie haben nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet, ich vermute, man wird die Zugangsbedingungen demnächst anpassen.

Irgendwann geht auch der schönste Loungebesuch zu Ende und so rollen wir gesättigt zur Boardingzeit an unser Gate und besteigen den ebenfalls noch kein Jahr alten Dreamliner 787-9 C-FSBV. Mein Mann schafft es bewundernswerterweise noch, auch hier die leichte Variante des Abendessens zu essen, Es gibt wohl Salat mit Entenbrust, Obst und Käse ohne Foto. Ich habe nach dem Abendessen in der Lounge schon ausreichend Bettschwere und warte nur das Abschalten der Anschnallzeichen nach dem Start ab, bevor ich mich in die Waagrechte begeben.

Leider haben wir auch noch Rückenwind und der ohnehin schon nur sechseinhalb Stunden lange Flug schmilzt auf etwas über sechs Stunden und so werden wir ziemlich schnell wieder zum Frühstück geweckt, das ich aufgrund morgendlicher Unzurechnungsfähigkeit ebenfalls nicht mehr fotografiere. Auch der Verzehr fällt uns wegen der Müdigkeit und des elegant gekurvten Anflugs nicht ganz leicht.
 
In Amsterdam angekommen gelangen wir schnell und unproblematisch durch die Einreisekontrolle und auch unser Gepäck kommt, nachdem überhaupt Gepäck auf unser Band kommt, recht zügig.
Die restliche Heimreise wäre jetzt unspektakulär, würden wir nicht zuerst auf dem Weg zum Parkplatz an einen Busfahrer geraten, der sich offenbar für Jos Verstappen hält und dementsprechend Formel1-mäßig zum Parkhaus brettert und hätte ich nicht offenbar mein Gleichgewicht im Flugzeug vergessen. Ich verspüre nämlich, seit ich auf festem Boden bin, ein leichtes Schwanken, wo keins sein sollte, was nach der Busfahrt und durch die Weiterfahrt im Auto in einer so penetranten Übelkeit gipfelt, dass ich mir - fast am Ende unserer Reise - noch in einem nicht näher bekannten niederländischen Dorf eine Packung Reisetabletten gönnen muss, um die Heimfahrt überhaupt zu überstehen.
Egal der Urlaub war es wert!

Mit Mall und Flughafen kamen wir immerhin noch auf gut 5.5 km zu Fuß.

Sonntag, 9. September 2018

Go West, aber nicht so Weit! 06.09.2018

Heute ist also unser letzter kompletter Urlaubstag. Eine Routenkarte gibt es schon nicht mehr, wir bleiben heute in Halifax und schauen uns die Stadt an. Eigentlich schauen wir uns zeitweise eher eine Großbaustelle an, zumindest scheint Halifax zur Zeit eine solche zu sein. Schon um sieben wurden wir im Hotel vom Presslufthammer auf der gegenüberliegenden Baustelle geweckt. Hinzu kommt, dass die Fenster hier eigentlich gar nicht lärmisoliert sind, man bekommt schon ohne Baustelle jedes Geräusch unten auf der Straße auch oben in der 9. Etage noch mit. Dank Ohropax schaffen wir es immerhin noch, am letzten Urlaubstag bis halb 9 zu schlafen. Danach frühstücken wir auf die Schnelle im Hotel.
Das Wetter zeigt sich wieder einmal von seiner bestens Seite, auch wenn nachmittags Gewitter gemeldet sind. Bis dahin haben wir ja noch massig Zeit.
Wir laufen also einmal bis ganz zum einen Ende der Hafenpromaneade und schauen uns die dort geparkten Kreuzfahrtschiffe und die Markthalle an. Leider kommt man hier nicht so nah an die Schiffe wie an das in Sydney.
Naja, macht ja auch nichts, wir sind ja nicht wegen der Schiffe hier. Wir wandern die Hafenpromenade entlang und genießen das sensationelle Wetter, nicht ohne ab und an Schatten zu suchen. Es ist wirklich sehr warm und sonnig heute wieder.
Die Hafenpromenade gefällt uns sehr gut, wenn man es schafft, die allgegenwärtigen Baustellen zu ignorieren. Gerade fotografisch stellt das diesen Urlaub eine meiner größten Herausforderungen dar.


Im Hafen selbst gibt es auch noch einiges zu sehen, ein Marineschiff sprüht Wasser
Auch ein Militärhubschrauber fliegt vorbei.

Warum, sollten wir später noch erfahren, es handelt sich nicht, wie wir zuerst dachten, um eine Vorführung für die reichlich anwesenden Kreuzfahrttouristen. Außerdem gibt es auch hier Wasservögel,
 eine kleine Fußgängerfähre,
sowie Aussicht auf die Angus L. Macdonald Bridge, über die wir gestern nach Halifax hineingefahren sind.

Stellenweise ist ziemlich viel Verkehr im Hafen,
 aber auch diese beiden kommen unfallfrei aneinander vorbei.
Wir wandern weiter zum alten Teil der Hafenpromenade. Schön hier, vor allem ist es schattig und etwas weniger Baustellen sind hier.


Ich decke mich mal wieder mit TShirts ein, Frau hat ja immer nix zum anziehen. Außerdem stärken wir uns mit einem Eis von Cows, das hier idyllisch am Wasser liegt.
Heute gibt es eine Kugel Maple Icecream mit Stücken meiner Lieblingsmaplecookies drin sowie wieder das leckere Eis mit dem MooMoo-Crunch, das, wie ich heute nochmal genauer verifiziere, Wowie Cowie heisst. Danach machen wir uns in praller Mittagssonne an den beschwerlichen Aufstieg zur Zitadelle, die auf dem Hügel der Stadt liegt. Unterwegs kommen wir an einem originellen Grafitti vorbei.
Als die Zitadelle in Sicht kommt, erschreckt mich mein Mann mit mit dem Ausruf "TOLL, da sind wir EINMAL hier und selbst das Wahrzeichen der Stadt ist eine Baustelle!". In der Tat, so ist es.
Die Aussicht von hier oben ist aber zumindest ganz nett, erfahrungsgemäß lohnt sich ja die Kraxelei auf irgendwelche Berge meist dafür.


An der Zitadelle angekommen, sehen wir zunächst einmal, wie einige militärische Herrschaften ein paar Kanonen aufbauen. Waren wohl doch nicht die Kreuzfahrtschiffe der Grund für Hubschrauber und Wasserwerfer.
Wir erkundigen uns und finden heraus, dass heute der Lt. Gouvernour von Nova Scotia in Vertretung der Königin die Thronrede zur Eröffnung der zweiten Sitzung der 63. Generalversammlung des Parlaments von Nova Scotia gehalten hat. Interessant. Dieser wurde jedenfalls mit einer 50 Mann starken Ehrengarde und mit 15 Salutschüssen um 14 Uhr begrüßt. Na denn, gehen wir mal lieber schnell in die Zitadelle, es ist etwa 20 vor 2 und wir hoffen, drin ist es nicht ganz so laut wie draußen oder in der Stadt. Der Vorplatz wird dann ohnehin gleich gesperrt. Wir betreten also zunächst die Zitadelle und sehen uns um.

Überraschung, hier wird gebaut. Und zwar so lautstark, dass die Salutschüsse vermutlich auhc nichts mehr ausmachen. Frau versucht wieder, durch ungewöhnliche Perspektivwahl die Baustelle günstig aus dem Bild zu schneiden.
Irgendwie landen wir als erstes in einer Ausstellung über Schützengräben in Frankreich während des ersten Weltkrieges. Ein authentisch gekleideter Herr berichtet über die Schützengräben und die kanadischen Taktiken im ersten Weltkrieg. Hat jetzt nichts mit der Zitadelle zu tun, macht er aber sehr interessant. Hinter dem Ausstellungsraum ist eine originalgetreue Nachbildung eines Schützengrabenabschnittes aufgebaut, den wir besichtigen. Es ist so schon recht beeindruckend und ein wenig beklemmend hier, die Situation wird aber noch beeindruckender, als draußen ohne Vorwarnung die Salutschüsse loslegen. Holla, ganz schön beklemmend in so einem Schützengraben unter "Beschuss". Irgendwie sind wir erleichtert, als wir wieder in der Zitadelle ankommen und begeben uns noch zügig auf die Mauer, um wenigstens noch die letzten beiden Salutschüsse "live" mitzuerleben. Danach bauen die Herrschaften auch schon wieder zügig ihre Gerätschaften ab.
 Wir schauen uns noch etwas um, die Sonne brennt hier oben immer noch extrem und so wechseln wir immer mal zwischen Außenbereichen und Ausstellungen im Inneren der Zitadelle. So durchwandern wir auch eine sehr ausführliche Ausstellung über die Nutzung der Zitadelle und die aufgrund der Lage am Meer und der Sicherung durch mehrere Forts uneinnehmbare Lage von Halifax, die uns vermutlich davor bewahrt hat, dass Kanada heute auch noch zur USA gehören würde.
Irgendwann reicht es dann auch mit Geschichte und wir versuchen, die Zitadelle zu verlassen. Geht aber an diesem Tor gerade nicht, da Wachablösung "gespielt" wird.

Nach der Wachablösung bummeln wieder durch die Stadt zurück in Richtung Hotel. Wir versuchen zumindest zu bummeln, finden allerdings keine wirkliche Einkaufsstraße. Dafür müssen wir noch ganz dringend bei Tim Hortons vorbei, zum einen haben wir furchtbaren Durst und dort gibt es gute Smoothies, zum anderen habe ich vor einigen Tagen in Moncton eine schöne Kanada-Warmhalte-Kaffeetasse gesehen, die ich natürlich da nicht gekauft habe. Die bekommt man ja sicher auch in Halifax und dann muss ich sie nicht die ganze Zeit durch die Gegend fahren und immer gut verpacken, damit ihr nichts passiert. Wenn das mal keine Fehleinschätzung war, der Tim Hortons am Hafen hatte die Tasse schonmal nicht, also nächster Versuch. Hier steht das gute Stück immerhin noch recht versteckt ganz hinten in einem Regal, aber man verkauft sie mir immerhin anstandslos.
Auf dem Becher ist in den  Landesfarben so ziemlich alles abgebildet, was man mit Kanada verbindet. Meine späteren Recherchen ergeben, es handelt sich um die Sondertasse zu Canada Day. So lange der Vorrat reicht. Da Canada Day schon zwei Monate zurückliegt, war es wohl pure Glückssache und ein ziemlich gewagtes Unterfangen, mit dem Kauf der Tasse bis Halifax zu warten. Naja, ging ja gerade so nochmal gut. Zufrieden mit meiner Jagdbeute und mit gestilltem Durst überkommt mich noch ein Hüngerchen auf einen Beavertail, damit es auch nicht so lang bis zum Abendessen wird. Einmal im Urlaub muss schon sein. Mein Mann lehnt dankend ab, ich gönne mir eine "leichte" Version des frittierten Gebäckstücks mit Zimt, Zucker und Zitrone.

So schaffe ich zumindest den Rückweg ins Hotel und die Zeit bis zum Abendessen. Nach sechs Stunden bei bester Septembersonne in der Stadt sind wir jetzt erst einmal ziemlich geschafft. Ich habe mir tatsächlich - obwohl ich absolut nicht dazu neige - heute meinen einzigen Sonnenbrand des ganzen Urlaubs an den Schultern eingefangen. Wir machen uns frisch und kurz vor Aufbruch zum Abendessen höre ich ein lautes Rauschen und wir haben innerhalb von Minuten folgenden Ausblick aus dem Fenster:
Es schüttet plötzlich wie aus Eimern, vom Hafen nebst Kreuzfahrtschiffen ist nichts mehr zu sehen. Bis zu unserem Aufbruch zum Essen ist das Schauspiel auch schon wieder vorbei und wir hätten die beiden vom Hotel geliehenen Schirme gar nicht gebraucht. Unser großes Abschiedsessen findet wie geplant bei The Keg statt, netterweise hat man die Hummer&Steak Sommeraktion auch nicht wie auf der Karte zu lesen am 2. September beendet und wir bekommen noch einmal den halben Hummer zu den 8 oz. Steak.
Ein gebührendes Abschiedsessen für einen tollen Urlaub.

Diesmal denke ich auch dran, den sensationellen Cheesecake abzulichten, allerdings ist hier die Speisekarte schon auf die Wintersaison gewechselt, diesmal ist er mit Kirschen, statt mit Erdbeersoße. Wir fanden die Erdbeeren ja besser, aber hauptsache der großartige Kuchen ist der selbe.
Und wenn es schon der letzte Abend ist, und es bei The Keg Margeritas in vernünftigem Gebinde gibt, nehmen wir doch noch einen Cocktail zum Abschied. Mein Mann einen Dark and Stormy, quasi die Rum-Variante de Moscow-Mule und ich....naja seht selbst.
Was für ein gebührender Abschluss.
Auf dem Heimweg machen wir noch die 10.5 km für heute voll und fallen ins Bett.

Go West, aber nicht so weit! 05.09.2018

Guysborough - Halifax

(Karte erstellt mit https://www.google.de/maps)
 
Heute ist tatsächlich unser letzter Fahrtag angebrochen. Wir verabschieden uns nach einer ausgiebigen Kuscheleinheit vom dauerhungrigen Berner Sennenhund, der allerdings eher von Hunger aufs Frühstück als von Abschiedsschmerz geplagt ist,
und fahren, so gut es geht, an der Küste entlang und versuchen, noch einmal alles an meiner kanadischen Lieblingslandschaft und Traumstränden mitzunehmen, was geht. Um vorneweg etwas Zeit zu sparen, die wir hintenraus für die Strände auch noch dringend benötigen sollten, nehmen wir die Country Harbour Cable Ferry, um so einen sehr langen Weg um eine Bucht abzukürzen. Die Landschaft ist hier schon so, wie ich es am liebsten habe.

Unser erster Halt ist auf Empfehlung unserer Gastgeber im Seawind Landing der Leuchtturm (der eher dem englischen Wort "Lighthouse" entspricht) in Port Bickerton. Dieser wurde sehr liebevoll von einer ehrenamtlichen Gruppe aus Port Bickerton nach seiner Stillegung renoviert und wird von dieser in Stand gehalten. Wir unterhalten uns sehr nett mit den beiden älteren Damen, die heute im Leuchtturm "Museumsdienst" haben und uns mit großer Begeisterung eine Privatführung durch "ihr" Leuchthaus geben. Sehr interessant, auch wenn wir sonst nicht so unbedingt die Museumsbesucher sind (vor allem nicht bei solchem Wetter, aber so ein Leuchthaus hat ja auch schöne Aussichten zu bieten).

Auf Empfehlung der beiden Damen laufen wir auch noch den etwa 15 minütigen Trail zum wunderschönen Strand. Der Trail bietet schonmal schöne Aussichten


und sogar einige noch blühende Lilien.
Der Strand ist wirklich wunderschön, so dass wir uns hier trotz unserer noch recht langen Fahrstrecke noch ein wenig umschauen.


Auch von unseren Gastgebern im Seawind Landing wurden uns noch einige Strände auf der Strecke empfohlen. Beginnend mit Taylor's Head, hier kommt extremes Karibikfeeling auf. Das Wetter meint es aber auch wirklich noch einmal gut mit uns am letzten Fahrtag.



Wirklich traumhaft!
Das Baden verkneifen wir uns allerdings hier noch, zum einen gibt es keine Duschen und wir müssen immer noch recht lange fahren, zum anderen wird vor Verzehr von Muscheln und Krebstieren, die hier gefangen wurden, gewarnt, daher sind wir uns ob der Waserqualität nicht so hundertprozentig sicher.

Wir fahren weiter entlang der Küste und genießen den Ausblick auf das Meer und endlose Wälder bis wir über eine Schotterstraße auf einer Landzunge Clam Harbour erreichen. Auch sehr schön, wenn auch nicht ganz so karibisch wie Taylor's Head. Dafür wird hier jedes Jahr Anfang August ein Sandburgenbauwettbewerb abgehalten. Leider ist Anfang September von den Kunstwerken natürlich nichts mehr zu sehen.

Hier ist aufgrund des schon spätren Nachmittags auch unter der Woche etwas mehr los als am Taylor's Head. Ich lasse mich auch zummindest dazu hinreißen, meine Füße ins Wasser zu halten. Angenehm frisch. Hier ist allerdings mal wieder die Stechmückendichte (und ihr Hunger) recht groß und so fahren wir recht bald weiter zum letzten Strand für heute.

Der letzte Strand mit dem wunderbar karibisch anmutenden Namen Martinique Beach ist weniger als eine Stunde von Halifax entfernt, 5 km lang und außerdem gibt es hier zumindest die Möglichkeit, hinterher an einem Wasserhahn das gröbste Salz und Sand zu entfernen. Hier gibt es kein Halten mehr und wir stürzen uns in die doch recht beeindruckenden Wellen (daher befindet sich hier auch eine Surfschule).

Das Wasser hat zwar maximal 20 Grad, aber dennoch macht es Spaß, darin herumzuplanschen, zumal der Strand auch hier mal wieder recht flach ist. Nach einem langen, aber landschaftlich und wettertechnisch sehr befriedigenden Tag errreichen wir nun endlich (leider) Halifax, wo wir die letzten anderthalb Tage unserer Reise verbringen werden.
Wir beziehen unsere Suite (man muss sich ja zum Abschluss noch was gönnen) im The Hollis, von dem wir ebenfalls wieder Aussicht auf den Hafen und damit auf Kreuzfahrtschiffe haben. Die beiden heutigen verlassen allerdings gerade schon wieder die Stadt (eins ist schon weg).


Heute gibt es zum Abendessen die letzte Chowder, die letzte Lobster Roll (im Übrigen aus meiner Sicht beides die besten des ganzen Urlaubs) und den letzten frischen Fisch, 
für morgen haben wir zum Abschiedsessen bei The Keg reserviert, klar was es dort zum letzten mal geben wird. Unser Biertest fällt inzwischen wie immer eher gleichförmig und unspektakulär aus, wir haben uns zwischenzeitlich auf die irischen roten eingetrunken. Heute gibt es das Irish Red von der ortsansässigen Garrison-Brauerei.
Zum Nachtisch muss ich unbedingt noch einen Coconut Cream Pie probieren, wahnsinnig mächtig, aber dennoch so gut, dass er meiner Gier schon halb zum Opfer gefallen ist, bis ich ans Foto denke. Mein Mann begnügt sich mit hausgemachtem Erdbeersorbet, das recht zitronig schmeckt.
So beenden wir einen erfolgreichen, gefühlt schon letzten, Tag, obwohl wir ja hier noch anderthalb Tage bleiben. Der schönste Teil des Urlaubs (und vor allem der längste) ist wohl hiermit vorbei.

Gelaufen sind wir heute knapp 4 km.