Samstag, 4. März 2017

Auf der Suche nach dem Winter - Ein Drama in drei Akten. (25.02.2017)

25.02.2017
Akt 3: Island - endlich Winter

Nach etwa drei Stunden erstaunlich tiefem Schlaf wache ich gegen 7 Uhr isländischer Ortszeit auf und sehe zuerst einmal noch ein paar Polarlichter aus dem Flugzeugfenster, deren Anblick ich einfach noch ein wenig genieße, bis wir in den Landeanflug auf Keflavik übergehen und man mir immerhin einen Orangensaft, einen Kaffe und ein Minicroissant reicht. Wir erleben Keflavik nun endlich mal nicht bei Nieselregen, sondern bei starkem Wind, leichtem Schneefall und gefühlt saumäßiger Kälte. Genau das wollten wir ja schon die ganze Woche. Wir holen unseren Mietwagen ab und treiben (da wir gelesen haben, dass Budget bei der Rücknahme extrem pingelig sei) die Mitarbeiter ein wenig zur Verzweiflung, indem wir JEDEN Kratzer auf dem Auto kartieren und per Foto dokumentieren. Am Ende finden wir etwa dreimal so viele Kratzer wie im ursprünglichen Übergabeprotokoll stehen. Vermutlich ist das der Grund, wieso die Kanadier direkt bei Übernahme sagen, bitte markieren Sie nur Beulen, die größer als ein Golfball sind.
Wir haben uns - wie auch im Sommer - für ein Mittelklasse SUV mit Allrad und Spikes entschieden. Die Frau muss ja immer für alles gerüstet sein. Diesmal ist es ein Nissan Qaschqai, fährt sich auch gut. Wir witzeln noch, dass wir bei dem bisschen Schnee keine Spikes gebraucht hätten, aber sicher ist sicher, man muss ja bekanntlich auf Island wettertechnisch mit allem rechnen.


Jetzt müssen wir uns erstmal ein paar Stunden wachhalten, bis wir gegen 15 Uhr in unser Hotel einchecken können. Macht ja auch Sinn in Hinblick auf das Jetlag, auch wenn wir damit bei nur fünf bis sechs Stunden eher wenig Probleme haben bisher. Die Nacht war halt einfach ziemlich kurz, aber vorhanden. Wir wollen zunächst zum Perlan, dem Warmwasserspeicher von Reykjavik, der gleicheitig auch als Aussichtspunkt dient. Irgendwie ist dieser im Sommer spurlos an uns vorübergegangen. Auf dem Weg zum Perlan machen wir noch einen kurzen Abstecher zur blauen Lagune, nicht zum Baden, dazu ist sie uns einfach zu teuer und zu überlaufen, aber die außen liegenden Wasserbecken sollen auch so in der Lavalandschaft sehr schön anzuschauen zu sein. Außerdem ist es dort tierisch kalt und windig, was uns erstmal gut wach hält (und meine Finger beim Fotografieren fast zum abfrieren bringt). Schön ist es jedenfalls:





Nachdem die Finger halbwegs aufgetaut sind, fahren wir weiter zum Perlan. Aufgrund der offenbar doch vorhandenen Müdigkeit habe ich wohl im wahrsten Sinne des Wortes verpennt, ein Foto des Bauwerks von außen zu machen. Nunja, die Aussicht war jedenfalls toll, insbesondere Licht und Wolken haben tolle Wirkung. Außerdem kann ich mich hier wenigstens über die Aussicht mit ein wenig Schnee freuen.

Blick nach Reykjavik

Hallgrímskirkja 

Langsam ist es Mittagszeit und insbesondere mein Magen beschwert sich über das fehlende Abendessen und winzige Frühstück. Auch der unterwegs besorgte Kaffe mit Schokoriegel schaffte nur bedingt Abhilfe. Also auf nach Reykjavik und etwas zum Mittagessen gesucht. Ich will natürlich Kabeljau, mein Mann nur was kleines, das vereinfacht die Suche nicht unbeingt aber irgendwann werden wir in der Nähe des Hafens fündig. Unterwegs noch ein paar Ecken von Reykjavik fotografiert, wo wir im Sommer nicht unterwegs waren, alles zwischen Hafen und Fußgängerzone:





Das Wetter wechselt wie man sieht zwischen kalt, windig, sehr windig (zum Glück haben wir den Sturm gestern verpasst), traumhafter Sonne und leichtem Schneegestöber. Egal, es ist Winter, ich freue mich und dokumentiere den leichten Schneefall im Selbstversuch auf dem Weg zum Auto:
Aufgrund der dicken Augen und der fortgeschrittenen Uhrzeit (es ist inzwischen immerhin etwa 14 Uhr), fahren wir gemütlich los Richtung Mosfellsbær, wo wir uns für 2 Nächte im Hotel Laxnes einquartiert haben. Dort werden wir freundlich empfangen, können unser Auto direkt vor dem Zimmer abstellen und legen uns erstmal bis zum Abend eine Runde hin. Vorher dokumentiere ich allerdings noch die (wie ich zu diesem Zeitpunkt und nach der Erfahrung in Kanada glaube) extrem winterliche Aussicht aus dem Zimmerfenster:
Abends genehmigen wir noch bei Subway um die Ecke etwas zu essen und freuen uns über den inzwischen recht konstanten Schneefall. Noch ein schnell hocherfreutes Winterfoto, wer weiss, wie lange das weisse Zeug liegen bleibt:
Danach fallen wir wieder ins Bett. Gegen vier Uhr wache ich mal kurz auf, schaue aus dem Fenster und denke mir im Halbschlaf "Oh, wir schneien ein." Bevor ich mich wieder umdrehe, und weiter schlafe...

Auf der Suche nach dem Winter - Ein Drama in drei Akten. (24.02.2017)

24.02.2017
Akt 2: (Nicht nur) Niagarafälle
Wir wachen auf und die Fälle sind weg. Zumindest sind sie aus unserem Hotelzimmerfenster nicht mehr zu sehen:
Gut, denken wir uns, gehen wir eben erstmal gemütlich in das Restaurant neben dem Hotel frühstücken. Die Portionen sind riesig, die Qualität ist... sagen wir mal: genau so, wie ich es in einer Touristenhochburg erwartet hätte. Dafür ist die Bedienung extrem nett und nimmt mein komplettes Frühstück von der Rechnung, nachdem ich meine Spiegeleier aufgrund der Maserung auf der Unterseite, die auf eine nicht wirklich saubere Pfanne schließen lassen, dankend zurückgehen lasse. Aber der Kaffe ist gut.

Langsam lichtet sich der Nebel. Als wir im Hotel auschecken, sind auch die Fälle zumindest wieder sichtbar:
Wir haben noch ein paar Stunden Zeit, da wir erst um 17 Uhr in Toronto am Flughafen unseren Mietwagen zurückgeben und einchecken müssen, aber irgendwie auch nicht so richtig Lust, den kompletten Tag an den Fällen zu verbringen, nachdem wir gestern schon so super Wetter hatten, und ich mich fotografisch in Bezug auf die Fälle eigentlich ziemlich ausgelastet fühle. Der Ort selbst ist auch nicht so reizvoll, als dass wir jetzt hier noch einen halben Tag totschlagen wollen würden. Aber da die Uferstraße in Richtung Niagara on the Lake so schön war, kann man diese ja auch mal in die andere Richtung ausprobieren. Außerdem sind es nur etwa 25 km nach Fort Erie und damit zum Eriesee, damit könnte man ja noch einen zweiten der großen Seen neben dem Ontariosee mitnehmen. Wir fahren also los, wieder entlang des Ufers des Niagara Rivers in die andere Richtung, auch hier stehen tolle Villen. Allein die Aussicht, auch auf den Fluss, der teilweise noch mit sehr mysthisch wirkendem Nebel bedeckt ist ist wunderschön. Wir fahren erstmal gemütlich ohne groß anzuhalten und genießen einfach die Landschaft und unseren letzten Tag in Kanada. Letztendlich gibt es dann aber doch einen Fotostop auf dem Weg nach Fort Erie, an einem kleinen Steg mit einer Trauerweide muss ich ein paar Bilder machen. Nur der Nebel hat sich inzwischen hier weitgehend gelichtet, schön ist es trotzdem.
Wir fahren weiter nach Fort Erie, wo wir hinter einem Denkmal, dass auch irgendwo in Frankreich stehen könnte, unser Auto parken und ein wenig an der Uferpromenade entlangspazieren.
Auch hier sorgen Licht und schwindender Nebel für schöne Aussichten:


Peace Bridge


Parklandschaft in Fort Erie

Blick nach Buffalo, USA

Ein bisschen Nebel schleicht noch über den Weg am Ufer.
Wenn wir schon einmal in Fort Erie sind, sollten wir natürlich auch noch gleichnamiges Fort besichtigen. Natürlich sind Museen und Gebäude wie so vieles hier "Closed for the Season", aber freundlicherweise sind Toiletten und Außenanlagen des Forts geöffnet. Wir nutzen also die Gelegenheit, ich besichtige kurz die Toiletten und danach drehen wir eine kleine Runde durch den das Fort umgebende Park.
Spätestens hier geht uns wieder auf, dass es viel zu warm und frühlingshaft ist - dass wir zwischenzeitlich die Jacken abgelegt haben, war ja noch selbstverständlich - aber als wir die dicken Knospen an der Magnolie sehen, sind wir doch noch einmal erstaunt:
Wir machen uns so langsam auf den Rückweg und halten noch an einem kleinen Park mit Steg, von dem aus man eine interessante Sicht auf Niagara Falls hat.

Der Rest ist schnell erzählt: Wir fahren, weil wir immer noch früh dran sind, soweit es geht, die Uferstraße über Niagara on the Lake zurück Richtung Toronto, machen unterwegs noch einen obligatorischen Stop bei Tim Hortons und gönnen uns Doughnuts mit Ahornsirupglasur und fahren die restliche Strecke über den Queen Elizabeth Highway zum Flughafen. Dort geben wir das Auto zurück, was - wie immer bei Alamo - vollkommen entspannt und unkompliziert verläuft. Man scheint dort immer mehr damit beschäftigt zu sein, den Kunden nach seiner Zufriedenheit zu befragen, als zu kontrollieren, ob der Wagen noch in Ordnung ist.
Wir geben unser Gepäck auf und begeben uns in die Plaza Premium Lounge, die anscheinend überwiegend asiatischen Fluglinien zur Verfügung steht. Hat den Vorteil, dass wir uns eine extrem leckere, scharfe Glasnudelsuppe mit verschiedenen Fischküchlein frisch zubereiten lassen können. Für die nötige Bettschwere gönnen wir uns noch einen Gin Tonic und warten auf unser Flugzeug. Dieses trifft mit fast zwei Stunden Verspätung ein, da am Nachmittag in Island aufgrund eines schweren Sturms alle Flüge mindestens zwei Stunden zu spät gestartet sind. Ich verfolge die Ankunft unserer Maschine auf Flightradar und genau in dem Moment, als ich zu meinem Mann sage, jetzt müsste sie landen und dann hier vorbeikommen, sehen wir einen grellen Blitz und hören einen lauten Knall. Ok, denken wir uns, entweder, das ist jetzt das vorhergesagte Gewitter, oder die Maschine ist gerade abgestürzt. Da wir weder Feuerwehr, noch Sirenen hören und unsere Maschine auch kurz darauf unbeschadet an unserem Fenster vorbei rollt, sind wir ersteinmal beruhigt und hoffen, dass der Blitz nicht gerade unsere Machine getroffen hat. Zwischenzeitlich hat es noch ein paar mal gedonnert, aber bis zu unserem etwa 30 Minuten verpäteten Boarding hat sich das Gewitter  zum Glück verzogen.
Wir besteigen also die Maschine und der Abflug verzögert sich weiter, weil einige Leute offenbar nicht in der Lage sind, ihr Handgepäck zügig zu verstauen bzw erst die Leute, die weiter nach hinten müssen, vorbeizulassen. Selbiges wird auch mehrfach von dem inzwischen sichtlich genervten Kabinenpersonal durchgesagt, während sich die Leute weiterhin gut sichtbar aus unserem Fenster in dem Finger zum Boarding neben uns stauen. Selten haben wir ein SO langsames Boarding erlebt. Gut wir sitzen immerhin schon warm und bei einem Glas Sekt nicht allzu trocken, aber man will ja irgendwann mal los.
Nach dem insgesamt etwa eine Stunde verspäteten Start bekommen wir dann noch die Nachwirkungen des Gewitters zu spüren, und kurz nach dem Abschalten der Anschnallzeichen und Beginn des Service werden selbige wieder eingeschaltet und der Pilot sagt noch 10 bis 15 Minuten Turbulenzen an. Dafür haben wir zwischenzeitlich noch einen interessanten Blick auf die Spitze des CN Towers, die ganz alleine aus der tiefhängenden Wolkendecke herausragt. Leider bin ich zu langsam, um ein Foto zu machen. Zwischenzeitlich sind wir schon etwa eine Stunde unterwegs und ein gutes Stück weiter nördlich und ich entdecke am Himmel ein leicht grünes Glühen, das deutlich stärker wird und sich als Nordlichter entpuppt. Diese eignen sich allerdings nicht wirklich zum Fotografieren, zumal das Flugzeug immernoch kräftig wackelt und ich daher nicht an meine Spiegelreflex oben im Gepäckfach komme. Aber immerhin, wäre der Punkt "Nordlichter auf dem Rückflug sehen" schonmal abgehakt. Das Flugzeug wackelt derweil fröhlich weiter, der Pilot sagt weitere 20 Minuten Turbulenzen und damit Verzögerung beim Abendessen an, worauf ich beschließe, auf mein Abendessen zu verzichten (schliesslich hatte ich ja nach dem Start noch ein Schälchen von diesem leckeren Karamellpopcorn, das muss reichen) und schlafe recht schnell mit dem sanften grünen Glühen am Horizont und dem nicht ganz so sanften Schauken des Flugzeugs für die nächsten drei Stunden ein. 

Donnerstag, 2. März 2017

Auf der Suche nach dem Winter - Ein Drama in drei Akten. (23.02.2017)

23.02.2017
Akt 2: (Nicht nur) Niagarafälle
Wir besteigen wieder den UP-Express zum Flughafen (dabei sind wir doch gerade erst angekommen, zum Glück müssen wir noch nicht wieder abfliegen, erst morgen ... schon ...) um unseren Mietwagen abzuholen. Gebucht war ein Chevrolet Cruz, das Modell sagt mir nichts, sollte aber irgendwas untere Mittelklasse sein. Bekommen haben wir einen Chevrolet Malibu, sagte mir auch nichts, ist aber die nächst größere Klasse. Immerhin passt da unser Gepäck locker in den Kofferraum. Fahren tut sich das Gefährt wie eine typische amerikanische Limousine, etwas schwammig in Federung und Lenkung, ansonsten ganz bequem, vor allem die blaue Amaturenbeleuchtung (von der ich leider kein Foto gemacht habe) ist sehr futuristisch. Schick sieht er ja schon aus.

Wir fahren gemütlich (es sind sowieso maximal 100 km/h erlaubt) Stadtauswärts, viel Verkehr ist auch nicht und nach anderthalb Stunden erreichen wir die Niagara Falls. Ersmal unser Hotel gesucht, ich finde den Ort beeindruckend hässlich und unübersichtlich, aber das hatte ich auch nicht anders erwartet und das Navi erweist sich als sehr hilfreich. Es ist natürlich noch viel zu früh zum Einchecken, aber wir können den Wagen bereits auf dem Parkplatz des Radisson Hotel Fallsview abstellen. Wir machen uns also zu Fuß auf in Richtung der Fälle und stellen zunächst einmal fest, dass es gar nicht so einfach ist, einen Weg vom Hotel nach unten zu finden. Zunächst stoßen wir auf eine Art Zahnradbahn, die uns gegen einen geringen Obulus von 2.75 CAD oder 7 CAD für Fahrten am kompletten Tag nach unten bringen würde. Brauchen wir nicht, beschließen wir schließlich sind wir noch halbwegs jung und gut zu Fuß. Wir halten uns also links Richtung Casino, bewundern kurz die kleine Version des CN-Towers...
... und finden einen anderen Weg nach unten, wo wir ziemlich genau gegenüber der American Falls auf die Uferpromenade treffen. Trifft sich gut, da ich diese ohnehin weniger spektakulär als die Horseshoe Falls finde, also beginnen wir unsere Besichtigung hier (nachdem mir zwischenzeitlich wieder der Fleck in meiner Kamera auffiel und ich mich wieder kurz ärgern muss, lässt sich aber zum Glück weitgehend wegretuschieren). Im Gegensatz zur Wettervorhersage, die zwar mindestens 10 °C aber trüb und regnerisch vorhergesagt hat, reisst auf unserem Weg nach unten der bei unserer Ankunft noch vollkommen bewölkte Himmel komplett auf. Scheiss auf Eis und kalt, so ist auch ganz nett!

Bridal Veil Fall (Man beachte bitte den Hauch von Winter rechts im Bild.)
Für diesen Besuch habe ich mir extra einen Satz ND-Filter für die Kamera angeschafft, um auch mal kitschige, langzeitbelichtete Wasserfallfotos zu machen. Den dunkelsten aufgeschraubt und losgelegt. Nach einigem Experimentieren und der Erkenntnis, dass mein ISO wohl vom Aquariumbesuch noch bei 800 steht, obwohl ich sicher war, ihn runtergedreht zu haben (das erklärt auch, wieso die Bilder gestern mir irgendwie so körnig vorkamen), finde ich eine halbwegs brauchbare Einstellung und bekomme einen hauch von Kitsch ins weichgezeichnete Bild:
Ist mal ein netter Effekt, aber irgendwie mag ich Wasserfälle wie sie mit bloßem Auge sind auch sehr gern. Wir bewegen uns also langsam und fotografierenderweise an der Promenade entlang in Richtung der kanadischen Fälle. Vorher gibt es natürlich diverse unterschiedliche Perspektiven der American Falls:
Wir passieren das Besucherzentrum und das untere Ende der Zahnradbahn und überlegen kurz, ob wir dort jetzt reingehen sollen und fragen, wo man denn die Fässer ausleihen kann, um sich die Fälle hinabzustürzen ;-), können uns aber den Spaß gerade so noch verkneifen.
So langsam kommen die Horseshoe Falls in fotografische Reichweite:
Nachdem wir die Gischtwolke der Horseshoe Falls passiert haben (und die Kamera wieder halbwegs trocken ist) sehen wir beim Blick zurück in Richtung Rainbow Bridge, dass sie aus dieser Perspektive Ihrem Namen alle Ehre macht.
Noch ein bisschen mit Langezitbelichtung rumgespielt (immerhin sieht es so aus, als sei es wahnsinnig kalt)...
...dann bringe meinen Mann jetzt zu meiner absoluten Lieblingsstelle auf kanadischer Seite der Fälle, genau da, wo das Wasser über die Kante fließt. Ich finde diese Perspektive total faszinierend, auch er ist davon sehr angetan.


Auch hier ein bisschen weichgezeichnet (es sieht so wahnsinnig kalt und winterlich aus!!!)...
... und nochmal den Regenbogen entdeckt.
Dann passiert das, was eigentlich immer irgendwann passiert, wenn wir unterwegs sind: Wir beschließen, einfach mal weiterzulaufen (so entstehen schonmal stundenlange Wanderungen aus "wir gehen mal eben mit dem Hund raus") und zu schauen, wie es oberhalb der Fälle aussieht. Wetter ist ja gut (und warm!), Leute sind hier kaum noch unterwegs und der Weg ist noch lange gut ausgebaut. Die Hotelburgen sehen auch von hier unten nicht wirklich schön aus.
Dafür ergeben sich immer mal wieder schöne Perspektiven auf die Oberkante der Fälle und die beeindruckenden Stromschnellen...
... mit mutigen Möwen auf Felsen unmittelbar vor den Fällen...
... Ausblicken mit Regenbogen..


Mittlerweile sind wir an dem ersten der drei oberhalb liegenden Wasserkraftwerke angekommen, wo das Wasser formschön und glatt über eine Schwelle fließt...
... und auch ganz schön weit von den Fällen entfernt... wie konnte das nur wieder passieren?
Wir entscheiden uns nun aber doch, unseren ursprünglichen Plan "Wir folgen mal der Straße, irgendwann muss es ja auch hier wieder auf die obere Ebene zum Hotel gehen." zu verwerfen und allmählich mal den Rückweg anzutreten. Aufgrund des schönen Wetters haben wir uns nämlich zwischenzeitlich noch spontan dazu entschieden, noch nach Niagara on the Lake zu fahren. Auch in der leisen Hoffnung, dass ich dort endlich ein Eis bekomme, inzwischen ist es schließlich früher Nachmittag und etwa 15 °C. Vorher fotografiere ich noch den etwas bizarren Anblick einiger toter Bäume im Wasser und eines Industriegebiets mit kuppelartigem Bauwerk auf amerikanischer Seite des Niagara Rivers.
Am Wasserkraftwerk überqueren wir die Straße und wandern über den dahinter liegenden Parkplatz zurück, in der Hoffnung, doch noch auf eine Treppe oder einen Fußweg nach oben zu treffen.

Links im Bild unser Hotel

Wir sind erfolglos und irgendwann kommen wir wieder an der Brücke zum Besucherzentrum und der Zahnradbahn an.
Da wir wirklich keine Lust mehr haben, quer durch den Ort zur einzigen Straße nach oben zu laufen und wir ja noch einen spontanen Ausflug "geplant" haben, kapitulieren wir und begeben uns zur Seilbahnstation. Dort wollen wir - in weiser Voraussicht des herrannahenden Abends und der Tatsache, dass ich ja im Dunkeln nochmal zum Fotografieren der beleuchteten Fälle mit Stativ nach unten möchte - dann eben gleich ein Gaztagesticket kaufen. Zum Glück weist uns der ausgesprochen nette Ticketverkäufer darauf hin, dass die Bahn im Winter (ach da war ja was) nur bis 18 uhr fährt und sich daher die Tageskarte nicht lohnt, wenn man nur abends nochmal runter möchte. Wir kommen noch ein wenig ins Gespräch, wir erwähnen, dass wir eigentlich gehofft haben, am Wasserkraftwerk auf der Straße nach oben laufen zu können. Gut dass wir es nicht versucht haben, er sagt, es sei sogar mit dem Auto eine zehnminütige Fahrt. Außerdem verkündet er im Rahmen unserer Unterhaltung, dass es ja zur Zeit viel zu warm sei, und sie sonst im Februar "inches of ice" an den Fällen hätten. Ja danke, genau da swollte ich hören, während ich in meiner Winterjacke schwitzend hier stehe, und es seit gestern nicht einmal geschafft habe, ein Eis zum Essen bekommen.

Wir fahren mit der Bahn nach oben, holen unser Auto vom Hotelparkplatz und fahren nach Niagara on the Lake. Ein sehr hübsches Städtchen:


Wir bummeln ein wenig durch die Hauptsraße und stoßen tatsächlich nach kürzester Zeit auf eine Filiale der Rocky Mountain Chocolate Factory. Diese kennen wir schon aus unseren Besuchen an der Westküste (kein Wunder, Firmensitz ist Burnaby, B.C.) und wir decken uns nicht nur mit Schokolade für zu hause ein, ich bekomme auch endlich mein lang ersehntes Eis. Zufrieden laufen wir weiter durch den Ort bis hinunter zum Ontariosee und ich fotografiere mal eben Fort Niagara auf der US-Seite des Sees.
Hocherfreut (wir sind doch ein wenig klebrig vom Eis) finden wir ein Toilettenhäuschen direkt am See, das aber leider, wie alle anderen bis auf eines mitten im Ort, saisonbedingt geschlossen hat. Es hat halt auch Nachteile, in der Nebensaison zu reisen: es gibt weniger Eis und weniger Toiletten. Weil das Wetter noch eingermaßen gut ist und wir eigentlich erst zum Abendessen und zum Anblick der beleuchteten Fälle wieder in Niagara Falls sein wollen, fahren wir die ausgeschilderte Küstenstraße zurück, vorbei an Weingütern (die Region hier ist nämlich eines von Kanadas Weinanbaugebieten), riesigen Villen mit Seeblick und halten zwischendurch am ein oder anderen Aussichtspunkt, hier mit Blick auf den Niagara River:
Wir nähern uns langsam wieder Niagara Falls, es wird wieder ein wenig touristischer (hier befindet sich auch die Floral Clock, die im Winter allerdings wenig spektakulär ist) und ab und an bieten sich auch interessante Ausblicke auf die gegenüberliegende, US-Amerikanische Seite:
Ein Wasserkraftwerk (dass vom Baustil her ziemlich kommunistisch wirkt...irgendwie lustig)...
... und interessante Gebäude daneben.
Irgendwann erreichen wir den Whirlpool, wo das Wasser des Niagara Rivers durch den Schwung der Fälle auf das gegenüberliegende Ufer trifft, dieses abträgt und dann wieder rechtwinklig weiterfließt (würde man die beiden unteren Bilder nebeneinander legen, hätte man ziemlich genau ein Panoramabild des Whirlpools und des Flussverlaufs):
Wie schade, dass Winter ist, sonst könnten wir jetzt mit dieser überaus vertrauenserweckenden Seilbahn über den Whirlpool schweben. Naja, vielleicht nächstes mal, wenn wir auch den Fassverleih gefunden haben ;-)
Wieder am Hotel angekommen, beziehen wir unser Zimmmer mit guter Aussicht auf die kanadischen Fälle...
... packen schonmal Kamera und Stativ ein und begeben uns zum Burger-Restaurant "The Works". Kulinarische Highlights wollten wir in einem Ort wie Niagara Falls gar nicht erst suchen, aber der Burgerladen wurde extrem gut im Internet bewertet und las sich auch von der Karte her recht originell. Scheint eine Kette zu sein und ist auch innen sehr originell eingerichtet, man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Baustelle. Da wir mit dem Auto unterwegs sind, gibt es heute mal Cola zu trinken, wenigstens kommt diese als Free Refill und in einem vernünftig großen (Mess-)Becher:
Der schicke Salzstreuer springt uns auch gleich ins Auge.
Nach ausführlichem Studium der Speisekarte entscheide ich mich für den Smokey Mountain mit extra karamellisierten Zwiebeln:
Mein Mann nimmt den Gettin' Piggy with it:
Dazu einen Ceasars Salad, mindestens einmal muss ich den in Nordamerika essen, und ich hatte noch keine Gelegenheit dazu. Alles wird in einer schicken Zinkwanne im Baustellendesign serviert. Ich finde es lustig, noch dazu sind die Burger ausgesprochen gut. Pappsatt und eigentlich todmüde von dem langen Tag gehen wir wieder zum Auto und fahren runter zum riesigen Parkplatz an den kanadischen Fällen, den wir am Nachmittag bereits durchwandert haben. Ein Vorteil der Nebensaison: abends kostet es keine Parkgebühren mehr (nachmittags wären es doch schlappe 10 CAD gewesen). Wir schultern Stativ und Kamera und begeben uns zu den Fällen, wo ich so lange das Lichtschauspiel fotografiere, bis uns kalt wird und wir ins Hotel zurück gehen. Ich lasse hier einfach zum Abschluss die Bilder für sich sprechen.