Sonntag, 3. März 2019

Winter we're coming. Gesammelte Werke aus Lappland (3)

Heute steht nichts konkretes an, also testen wir mit einem Augenzwinkern mal ein paar mehr oder minder finnische Kulturgüter. Zunächst das Hotelfrühstück. Mehr international als finnisch aber gut und genug Deftiges, um einen Tag bei um - 15 °C zu überstehen.

Kulturgutstudie Teil 1: Der Schneeroller
Im Schuppen neben den Schlitten haben wir gestern schon die Schneeroller etdeckt. Mit Kufen statt Rollen. Also Schneekufler? Bleiben wir bei Schneeroller, bevor sich noch jemand beim Lesen die Augen verknotet.

Witzig aber irgendwie anstrengend. Dennoch, die Studie wurde von meinem Mann bestens dokumentiert.
An den Haltungsnoten sollte frau vielleicht im Laufe der Woche noch arbeiten.

Kulturgutstudie Teil 2: Schnee. Viel Schnee. Und Schneehaufen.

Kulturgutstudie Teil 3: Autos an der Steckdose. Weil Autobatterien schonmal bei -20 Grad schlappmachen, bekommt auch unser Opel Mocca, aufgrund des Kennzeichens von mir spontan auf den Namen "Lore" getauft, das Stromkabel angeschlossen.


Kulturgutstudie Teil 4: freilebende Rentiere
...stehen mal eben auf dem Parkplatz vorm Hotel rum und gucken, ob wer Futter für sie hat. Knuffig.


Kulturgutstudie Teil 5: Lebensmittel einkaufen im finnischen Supermarkt
In Ivalo befindet sich ein großer sehr gut ausgestatteter Supermarkt, in dem man alles von Lebensmitteln über Haushaltswaren und Autozubehör bis hin zum Saunaeimer kaufen kann. Auch finnisches Kulturgut für den kleinen Hunger zwischen Frühstück und Abendessen. Und finnisches Bier, das an Hand der Zutatenlise hoffentlich nur nach Bier schmeckt.
Bei der Verkostung des Donut-artigen, fettgebackenen Teilchens stellen wir fest, dass der Finne offenbar ähnlich wie der Isländer seltsame geschmackliche Vorlieben hat. Nachdem wir beim Einkauf schon über Lakritzbier gestolpert sind, überraschen uns jetzt gemahlene Anissamen im Kringel. Immerhin weiss ich jetzt, was die etwas undefinierbaren, braunen Brösel heute morgen in meinem Müsli waren. Soll ja gesund sein. Vielleicht ist ja in den Daim Keksen wirklich nur Keks und Daim.

Kulturgutstudie Teil 6: Schneeschuhe
Unser offizieller Schneeschuhwandertag mit hoffentlich fachkundiger Führung ist zwar erst morgen, aber die Dinger hängen ja hier an jeder Hütte, also kann man ja mal probieren. Also wieder warm einpacken und Schneeschuhe anziehen.
Fazit: Die Einführung morgen schadet wohl nichts, im Tiefschnee sinke ich trotzdem ein und auf den Wegen braucht man sie erwartungsgemäß nicht. Die nachmittägliche Landschaft lädt trotzdem zu einem schönen Spaziergang ein, ich trage meine Schneeschuhe lieber in der Hand während mein Mann hartnäckig damit den Weg entlangstapft. Spaß gemacht hat es uns beiden.

Kulturgutstudie Teil 7: Alkoholfreier Sekt
Aufgrund der in Skandinavien allgemein sehr hohen Alkoholsteuer reicht das Hotel als Willkommensgeschenk alkoholfreien Sekt im Zimmer.
Schmeckt erstaunlich gut und ist auf Fotos kaum vom Original zu unterscheiden.

Jetzt machen wir uns erstmal frisch zum Abendessen, mal schauen, was dieses noch so an Kulturgut bereithält. Auch ein Paar Nordlichter zum weiter studieren wären im Abendverlauf ganz nett, allerdings zieht aktuell leichte Bewölkung auf. Es bleibt spannend.

Winter we're coming. Gesammelte Werke aus Lappland (2)

Nach Verlassen des Flugzeuges gehen wir die 50 m zu Fuß zum vermutlich einzigen Gepäckband des Terminals. Das Gepäck kommt auch zügig, es hat es ja ebenfalls nicht weit. Auch die Mietwagenübernahme bei Europcar klappt sofort und keine Stunde nach der Landung sitzen wir in unserem Opel Mocca mit entsprechender Winterbereifung mit Spikes und fahren durch verschneite Landschaft Richtung Ivalo.


Die Entfernung und die Größe von Ivalo sind überschaubar und so erreichen wir nach ca 20 Minuten Fahrt unser Hotel für die kommende Woche.

Wir nehmen zunächst unsere Hütte in Augenschein, die Fotos im Internet haben nicht zu viel versprochen.

Die Aussicht ist, gerade in Hinblick auf die für den Abend vorhergesagten Nordlichter, schonmal vielversprechend.
Hier lässt es sich sehr gut aushalten, denken wir.

Da es erst gegen 17:30 dunkel wird, nutzen wir die Stunde noch für einen Spaziergang über das Gelände.
Mit den Lichtverhältnissen müssen Frau und Kamera sich erst noch anfreunden, aber einige Fotos sind schonmal unbearbeitet zu gebrauchen. Der Rest folgt dann früher oder später.

Zwischen den Hütten befindet sich ein Rentiergehege, so werden auch die Rentiere ein wenig beobachtet und fotografiert.
Die Rentiere sind sehr aktiv, die Bildbelichtung weiterhin ausbaufähig. Das lässt Raum für Bearbeitungen.

Am Ende unserer Runde durch die Anlage stößt die Frau auf einen Sonnenuntergang,


das Kind in meinem Mann findet derweil einen Schlitten und einen Hang.


Winter macht hungrig und so machen wir uns noch kurz frisch und begeben uns in das gemütliche Restaurant zum Abendessen.
Wer hätte es gedacht, auch in diesem Urlaub lassen wir uns zu einem kleinen Kulturgut-Test hinreißen:
Wieder einmal bin ich zutiefst schockiert, was die Skandinavier so alles an Aromen ins Bier bringen, habe ich doch mein Trauma von Flieder und Rhabarber aus Stockholm immer noch nicht überwunden. Wir dachten uns, mit dunklem Bier erspart man sich solche Schockerlebnisse. Mit dem Loimu, was als Rauchbier verkauft wird, geht das noch halbwegs gut, es beinhaltet in der Tat nur die gängigen Bierzutaten Hopfen, Malz, Gerste und Wasser und ist ein rotes, rauchig schmeckendes Bier. Das Kaamos wird als dunkles Lager verkauft und schmeckt stark nach Weihnachten. Es beinhaltet laut Etikett auch so ziemlich alles an Gewürzen, die eigentlich in guten Lebkuchen gehören. Wir fragen uns, wieso auf der Karte zusätzlich noch ein eigenes Weihnachtsbier gelistet ist. Helau.

Das restliche Abendessen ist durchaus gut, aber auch nicht spannend, wir hoffen noch auf ein paar mehr skandinavische Spezialitäten in den kommenden Tagen. Hervorzuheben ist ein säuerlicher Kartofflsalat mit Makrele und sauren Gurken, dieser ist regionale Küche und noch dazu sehr lecker. Auch die Rentierpaté fällt in die Kategorie "heimisch und gut".

Weiterhin wird für den Abend sowohl im Internet als auch vom Personal eine großartige Lightshow am Himmel vorher gesagt. Gegen 19 Uhr ist es richtig dunkel und beim Verlassen des Restaurants verkündet die Rezeptionistin, es habe schon angefangen. Also schnell raus und die ersten grünen Nordlichter bewundert, bis die Brillen wie immer draußen aufgrund der Kälte recht schnell beschlagen, um dann auch quasi zeitgleich zu gefrieren. Relativ blind wanke ich zur Hütte und wechsele von "relativ warme Bekleidung zum Abendessen" auf "richtige Winterklamotten zum draußen Rumstehen". Das Thermometer ist inzwischen auf unter -20 °C gefallen und man merkt die Kälte recht schnell. Noch fix die Kamera aufs Stativ geschraubt und ab hinter die Hütte in den Schnee. Die Nordlichter sind heute so kräftig, dass man sie mit bloßem Auge sehen kann, auch fotografieren geht ganz gut, auch wenn die Fotos ebenfalls noch Bearbeitungspotential besitzen. Hier dennoch ein kleiner Vorgeschmack, es war beeindruckend (es empfiehlt sich, die unbearbeiteten Fotos in einem etwas dunkleren Raum mit hellem Display anzuschauen):

Die Show beginnt.


Es grünt kräftig.



Nach einer knappen Stunde wird es doch recht frisch und wir machen es uns unter unserem Glasdach im warmen Bett gemütlich. Nach einer kurzen Pause legen die Nordlichter nochmal so richtig los und liefern mir das bisher beste Foto, das im Grunde fast keine Bearbeitung mehr brauchen wird. Und das durchs Glasdach und nicht einmal draußen. Wir sind begeistert.
Danach flaut das ganze wieder etwas ab, beglückt uns zwischenzeitlich dann noch nach den ganzen relativ stationären Lichtern mit über unsere Hütte wandernden Lichtbögen bis wir gegen Mitternacht sehr müde unter dem Sternenhimmel einschlafen. Schön, wenn es gleich am ersten Urlaubstag mit den Nordlichtern klappt, das macht den Aufenthalt ab jetzt entspannt.

Samstag, 2. März 2019

Winter we're coming. Gesammelte Werke aus Lappland (1)

Nach frühlingshaften knapp 20 Grad und der inoffiziellen Eröffnung der Außensaison auf dem Bogenplatz letzte Woche wurde es nun endlich Zeit für eine Runde richtigen Winter. Da sich "Winter is coming" in unseren Breiten ja bis auf einige Schneetage stark in Grenzen hielt und inzwischen sogar die Allergiesaison begonnen hat, waren wir froh, schon im November die diesjährige Karnevalsflucht nach Lappland geplant zu haben. Nach einem kurzen Schreckmoment in der vergangenen Woche, wo die Wettervorhersage plötzlich 2 Tage Plusgrade und Regen in Ivalo verkündete, sank das Thermometer in den letzten Tagen wieder auf klirrende -15 bis -20 Grad, so dass wir nun vorfreudig verkünden konnten "Winter, we're coming.".

Da ich hier gerade keine Möglichkeit habe, meine Fotos zu bearbeiten, werde ich zunächst mit den unbearbeitet brauchbaren Fotos mehr oder minder live berichten, um dann im Nachgang noch ein paar bearbeitete Fotos in noch mehr oder minder chronologischer Reihenfolge anzuhängen.

Aber fangen wir zunächst von vorne an.

Samstag, 02. März 2019
Same procedure... wir liefern den Hund bei der Urlaubsbetreuung ab und lassen uns zum Dank für die Hundeüberlassung von meinem Vater zum Flughafen fahren.

Irgendwie gibt es nichts spannendes hier zu berichten, Check-in verläuft reibungslos, die Panorama Lounge hat wochenends geschlossen und die Lounge in Gate-Nähe ist überfüllt. Für ein kleines Frühstück reichts jedenfalls, mal sehen, was uns die mehr oder minder frisch gebackene 5 Sterne Airline dann noch an Bord servieren wird. Wer keine Mainstream-Ziele anfliegt, kommt auch bei LH auf der Homebase in den Genuss des Busboardings und so gibt es auf dem Weg zum 22 Jahre alten A 319 mit der Kennung D-AILK noch eine Flughafenrundfahrt gratis dazu. Immerhin hat er schon die neue Lackierung, sogar im "richtigen", blauen Blau. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich bei so vielem streiten.

Dafür überrascht die Speisekarte angenehm, die Flugzeit ist in der Tat lange genug um eine warme Mahlzeit zu bekommen und man serviert schon Mittagessen statt Flugzeugrührei.

Frau ist angetan, auch weil Mann Ihr erstmal bei der Getränkerunde ein Gläschen Sekt ordert.

So reist es sich mit Stil zum Winter.

Nach einem sehr wolkenreichen Start sehen wir zum ersten Mal irgendwo zwischen deutscher Ostseeküste und Dänemark Land und gleich darauf schöne Wolkenformationen.
Kurz darauf gibt es essen, zur vollständigen Dokumentation nimmt mein Mann den Fisch
und ich das Huhn.
Wir sind beide vom Geschmack angenehm überrascht, ich bin versucht es als eine meiner bisher besten Flugzeugmahlzeiten zu betiteln.

Bis auf ein paar leichte Turbulenzen verläuft der Flug ereignislos, wir haben eine freundliche motivierte Crew die uns bestens versorgt, und draußen wird es langsam immer winterlicher.


Dem Technikfreak in mir bietet sich außerdem ein toller Blick auf Triebwerk und Tragfläche, was frau natürlich gleich im Foto
und Video von der Landung in Ivalo dokumentieren muss.
So sind wir also gut beim Winter angekommen, bei kuschligen -15 °C und traumhaftem Wetter. Da lässt frau sich doch gleich noch zu einem Flugzeugfoto hinreißen.
So haben wir uns das vorgestellt.

Dienstag, 1. Januar 2019

Frohes Neues Jahr 2019

Wir vermelden, haben den Jahreswechsel gut überstanden, Der Allerbärtigste hat nach 12 Jahren Panik beschlossen, dass man den Jahreswechsel auch einfach ganz entspannt im Keller verschlafen kann, so blieb mir mehr Zeit zu fotografieren.









In diesem Sinne, ein gutes neues Jahr 2019, wir sind ein bisschen müde, aber wohlauf.


 ... und was natürlich nicht fehlen darf, ist ein kurzer Ausblick auf das, was 2019 so kommt. Nachdem frau schonmal im dunkeln Feuerwerk fotografieren geübt hat, fühlt sie sich jetzt fotografisch fit, Karneval in Lappland hoffentlich reichlich Aurora-Fotos zu machen. Also, zieht Euch warm an, Karneval 2019 wird kalt und schneereich.


Montag, 12. November 2018

Heute aus aktuellem Anlass mal "Dogs" statt "Travel"

Ich muss es mir mal von der Seele schreiben, es ist jedesmal ein Erlebnis, heute war es wieder mal eines der Allerbärtigsten Art...

... ein Tierarztbesuch der bärtigsten Art

Prolog:
Grund des Besuchs war, wie jeden Herbst, der berüchtigte "Ich hab mir da was eingetreten, weil ich ja ständig durch irgendwelche Dornen trampele, ohne Rücksicht auf Verluste" Besuch. Unser Bärtigster schafft es also jedes Jahr, im Laufe des Spätsommers, sich etwas einzutreten, ich vermute, einen Dorn, um dann, pünktlich im Oktober oder spätestens November einen feinen Abszess zwischen den Zehen irgendeiner beliebigen Pfote zu bekommen. So auch dieses Jahr wieder vor zwei Wochen. Normalerweise gehen wir dann gar nicht mehr zum Tierarzt, weil wir inzwischn Erfahrung im selbst behandeln haben. Diesmal hatte ich aber eine andere Jodlösung zum draufträufeln, statt zum Baden wie sonst, und damit heilte es wohl zu schnell zu. Fazit: was zu schnell zuheilt ist nicht ausreichend leer und kommt wieder. Da die wieder aufgetauchte Beule nicht nur ziemlich dick war, sondern auch keine Anstalten machte, aufzugehen, war heute morgen ein Tierarztbesuch angezeigt.

So nahm das Drama also seinen Lauf, Mutti fährt mit Bert zum Tierarzt, Bert bricht schon beim Einfahren in die Straße zum Tierarzt in Freudengebell in den höchsten Tönen aus. Die verwirrten Blicke zu meinem bellenden Kleinwagen ignoriere ich inzwischen gekonnt.

Akt 1: Das Wartezimmer
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Mutti geht erstmal zur Anmeldung und lässt den Allerbärtigsten, sehr zu seinem Leidwesen im Auto warten. Sonst versteht man nämlich an der Anmeldung sein eigenes Wort nicht mehr, da Bert meint, es reicht, sich mit lautem, fröhlichen Bellen anzumelden.

Nach Anmeldung der vorsichtige Blick ins Wartezimmer: fast leer, bis auf einen anderen Hund. Also kann man es riskieren, den singenden klingenden Bärtigen in die heiligen Hallen einzulassen. Wenn es zu voll ist, warten wir lieber im Auto. Aber heute hat Bert Glück (oder ich Pech ;) ) und wir gehen also hinein. Der einzige Anwesende andere Hund rastet erstmal dezent bellend und knurrend aus, was der Allerbärtigste gekonnt erhaben ignoriert. Erstaunlich, das tut er sonst nirgends. Wir ziehen uns also in die andere Ecke des Wartezimmers zurück und der Allerbärtigste nutzt die Zeit, bei mir seine wohlverdiente Kuscheleinheit einzufordern. Jedesmal, wenn jemand das Wartezimmer betritt wird aufgesprungen und alle Register des bärtigen Flirtens gezogen. Heute hat es besonders gut funktioniert, eine Katzenbesitzerin parkt Ihre Katze samt Box neben sich und widmet sich dann mit der Aussage "meine Katze will eh nix von mir wissen gerade" mit all Ihrer Liebe und Zuneigung dem Allerbärtigsten. Hat er ja auch verdient, findet er. Ab und an muss ich den Herrn davon abhalten, der Dame auf den Schoß zu klettern, aber sie wollte es ja so und unterhält und kuschelt ihn, wie es sich einem Allerbärtigsten geziemt. Kein Wunder, dass Herr Bert Tierarztbesuche nur allzu positiv verknüpft. Das Schauspiel wird nur zweimal kurz durch das Öffnen der Tür zu den Sprechzimmern unterbrochen, da wirft Herr Bert sich nämlich SOFORT mit hoffnungsvollem Blick zur Tür in seine schönste Pose (Wenn er reden könnte, würde er "HIER ICH ICH!" schreien) um dann einen empörten Beller abzulassen, wenn er nicht an die Reihe kommt. Aber alles halb so wild, man kann sich ja dann wieder seinem neuen willigen Streichelopfer zuwenden. Mittlerweile ist die Dame so verliebt dass sie unseren Wartezimmerpromi um ein Foto bittet und es gnädigerweise zwischen zwei fröhlichen WUFFs auch gestattet bekommt. Doch dann kommt der große Moment, der Allerbärtigste wird aufgerufen und ins Sprechzimmer geleitet.


Akt 2: Der lange Weg zum Sprechzimmer
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Sobald Herr Bert registriert, dass ER höchstselbst aufgerufen wird (erkennt er daran, dass die dröge alte Spaßbremse sich endlich erhebt) SCHIESST ein frohlockender, hüpfender Bert unaufhaltsam, wäre da nicht dieser über 70 kg schwere Bremsklotz am anderen Ende der Leine ohne Rücksicht auf Verluste quer durchs Wartezimmer zur Tür, begrüßt die zuständige Helferin mit einem freudigen "Das wurd jetzt aber auch Zeit"-Rotzgeräusch und rennt sie fast über den Haufen. Wenn es, wie heute, eine mir unbekannte Dame ist, stets kommentiert von "Er ist verrückt, aber harmlos."


Akt 3: Kurzes Warten im Sprechzimmer Audienzzimer
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Puh. Endlich wieder kurz allein. Mutti muss sich erstmal sammeln, Bert richtet sich derweil gemütlich in seinem Audienzzimmer ein und harrt der Untertanen, die heute zur Huldigung bereit sind. Wir erinnern uns kurz (eigentlich nur ich), warum wir heute hier sind, und ich beschließe, den Bert schonmal vorzubereiten, und Schuh und Socke, die als Pfotenschutz dienen, abzunehmen, bevor der nächste Freudentanz beim Eintreten des Tierarztes beginnt. Ich entledige den Bert also seines Pfotenschutzes und stelle mit Freuden fest, der vor einer Stunde noch vollkommen verschlossene Abszess hat sich zwischenzeitlich von selbst eröffnet (nunja, deshalb sind wir ja auch hier, aber eigentlich sollte da noch ein Tierarzt ran....). Naja, wo wir schonmal da sind, kann der Doc ja trotzdem draufgucken, ob er irgend einen Auslöser darin findet und ob die Strategie eine Woche in Jodlösung baden auch in diesem Fall die richtige ist. Wir warten also weiter, zwischenzeitlich kommt immer mal wieder eine nette Tierarzthelferin rein, holt und bringt Dinge und ganz wichtig: Huldigt dem Allerbrätigsten, schließlich ist das ja der Sinn eines solchen Audienzzimmers.


Akt 4: Der Tierarzt​
Juhu, heute haben wir einen Lauf und Billys Lieblingsdoc hat Sprechstunde (er liebt sie alle, aber bei den beiden habe ich den Eindruck, sie verbindet inzwischen irgendwie eine innige Männerfreundschaft). Wie immer führen die beiden eines ihrer seltsamen, mir vollkommen unverständlichen Begrüßungsrituale auf. Mal krabbelt Bert dem Doc auf den Schoß und leckt ihm freudig durchs Gesicht, mal steckt man ihm den Kopf zwischen die Knie und lässt sich seelig grunzend durchknuddeln. Heute erreicht das Ritual neue Dimensionen, man reckt vor dem Tierarzt die Nase in die Luft und freut sich wie ein kleiner König (AUDIENZZIMMER!!!), wenn der Doc ihm mal eben herzhaft die dicke braune Ledernase durchknetet. Naja, jedem das seine, denke ich mir und werde zwischenzeitlich auch mal begrüßt. Man will die Herrschaften ja nicht stören. Nach kurzer Schilderung des Problems kommt der unangenehme Teil für den Bärtigen, man hebt ihn ganz unwürdig unter lautem Gemaule auf den Tisch und legt ihm sicherheitshalber einen Maulkorb an und popelt in seiner Pfote rum. Der Allerbärtigste kommentiert diese unwürdige Behandlung mit bedrohlichen Urlauten, lässt sie aber ansonsten würdigst über sich ergehen. Der Doc findet wie immer nichts in der Pfote, aber wenigstens ist der Abszess jetzt gut offen. Er empfiehlt die üblichen einwöchigen Jodbäder und dann sollte es wie immer abgeheilt sein, sonst müssen wir weitersuchen. Bisher gings aber immer gut. Zwischenzeitlich wird der alte Knurrhahn vom Tisch gehoben und vom Maulkorb befreit und holt sich seine wohlverdienten Kuscheleinheiten beim Tierarzt ab. Kann der arme Doc ja nix für, wenn Mutti ihn zwingt so fiese Dinge an Berts Pfote zu machen. Beim Schuh anziehen tanzt der Bert dann wieder so fröhlich durchs Sprechzimmer, dass er sich noch unter Publikumswirksamem aufjaulen das Bein verdreht und danach hat der alte Herr auch schon keine Zeit mehr für Geplänkel und hüpft fröhlich bellend Richtung Ausgang, während ich mich quasi im Vorbeiflug noch vom Tierarzt verabschiede.



Akt 5: Der Abgang
​Auf dem Weg zum Auto schafft man es noch, sich schnell trotz fröhlichen Hüpfens und Bellens im vorbeigehen ein paar bedauerende Worte und Genesungswünsche ob des Pfotenschutzes abzuholen, und schwupps gehts schon wieder ins Auto. Dort macht man es sich erstmal gemütlich und erholt sich von dem anstrengenden Audienztermin, während Mutti die Rechnung für die ganzen zum Wohlgefallen des Allerbärtigsten gekauften Schauspieler entrichten geht. Auf der Heimfahrt verfällt der total geschaffte Allerbärtige in Tiefschlaf, nur um pünktlich beim EInfahren in unsere Straße wie von der Tarantel aufzuspringen und in fröhliches "Sehet, der Allerbärtigste kehrt heim!"- Gebell auszubrechen.


Epilog: Die Heimkehr
Der schlagartig erwachte, immer noch fröhlich bellende Allerbärtigste entsteigt dem Auto und hat (eben noch fix und fertig) genau zwei Wünsche: Gassi und Essen. Ich bin mal wieder der Buhmann und bringe ihm mehr oder minder schonend bei, dass ich noch einen Nebenjob habe, um sein Futter zu verdienen, und daher jetzt erstmal wieder nach drinnen an die Arbeit muss. Zum dank pinkelt der Herr mir in den Vorgarten, als wäre er drei Tage lang nicht mehr Gassi gewesen. Nach freundlichem Bitten begibt der Allerbärtigste sich nach drin und verlangt nach Essen. Das gewähre ich ihm, im Austausch gegen ein Stündchen ungestörte Arbeitszeit.

Inzwischen habe ich Feierabend und bin müde. Der Bert jammert, weil er endlich zum Gassi will. Nachher ist er dann wieder beleidigt, weil es zwecks Schonung nur eine kurze Runde gibt.
Danke fürs Zuhören.