Mittwoch, 27. August 2025

Bad Ideas (make Memories of Mountains and Canyons)

Dann fahren wir mal weiter - wem es noch nicht aufgefallen ist, der Urlaub wird wohl sehr fahrlastig. Das Gefühl hatte ich ja schon bei der Planung. Was soll's, so lange die Landschaft schön und das Wetter gut ist. Aber natürlich wird erst noch gefrühstückt. Auch hier sind wir angenehm überrascht, es gibt sogar Heringssalat, den wir in Schweden so mögen. Außerdem Ingwer-Shots, die sicherstellen, dass man zunächst wach und die nächsten Monate vermutlich auch nicht krank wird, so scharf sind sie.
Für unsere Verhältnisse sind wir erstaunlich früh "on the Road", nachdem wir noch einiges nützliches für unterwegs (und meinen schwedischen Lieblingskaffee zur Hälfte des Preises vom heimischen Lieferanten für zu Hause) eingekauft haben.
Erstmal geht es fast 200 km durch schwedische Wälder, nicht ohne Rentier- aber ohne Elchsichtung. Während der Kollege davor noch abgeklärt am Straßenrand grast, steht dieser hier planlos mitten auf der Straße, stiefelt dann eine Weile vor unserem Vordermann her, bis ihn der ziemlich flott um die Ecke biegende Gegenverkehr doch ins Straßenbegleitgrün scheucht.

Als erstes heutiges Highlight ist Kiruna geplant, wir wollen zum einen den Erzabbau, denn wir aus Erdkunde- und Geschichtsbüchern kennen, einmal live sehen, zum anderen die gerade im Rahmen der Verlegung der Innenstadt umgezogene Kirche. Letztere ist allerdings nicht wieder zugänglich und kann nur von weitem gesehen werden. Das Foto hat daher auch eher dokumentarischen als künstlerischen Wert.
Die Hintergundgeschichte findet sich unter anderem auch hier: https://www.tagesschau.de/ausland/kirche-schweden-umzug-100.html
Die Eisenerz-Minen sind wirklich riesig und ziehen sich um die ganze Stadt.
Wir setzen unseren Weg nach Westen weiter fort und kurz hinter Kiruna kommen die ersten Ausläufer des Grenzgebirges zwischen Schweden und Norwegen in Sicht. Das Wetter ist übrigens wie so oft, wenn wir reisen, gut.
Danach wird die Landschaft immer bergiger und seeiger, erinnert uns ein bisschen an die Ostfjorde auf Island. Leider sind die Parkbuchten immer so zugewachsen, dass man nichts von der schönen Landschaft sehen kann. Ein kleiner Ausflug "ins sehr grüne Grün" meinerseits ergibt zumindest ein Foto, an Hand dessen man sich einen ungefähren Eindruck der Landschaft machen kann.

Da wir noch ein bisschen im Abisko Nationalpark wandern wollen, halten wir uns jedoch auch nicht länger mit der Suche nach Fotospots auf. Am Wanderparkplatz angekommen, gibt es erstmal eine Zimt- und eine Puddingschnecke zur Stärkung. Zugegebenermaßen verschwindet danach auch noch undokumentiert ein halbes Tütchen Trockenwurststücke auf wundersame Weise als Stärkung in uns.
Jetzt kann es aber auch losgehen, nach 4 Stunden Fahrt können wir sehr gut noch ein bisschen Bewegung gebrauchen. Wir laufen zunächst vom Naturum, wie die Infozentren der Nationalparks in Schweden heißen, in Richtung des Torneträsks, dem riesigen See, an dem wir auch schon eine ganze Weile entlanggefahren sind. Kein Wunder, der See ist auch 70 km lang.

Zwischenzeitlich kommt auch mal ein Zug aus Kiruna auf dem Weg nach Narvik vorbei.

Endlich gibt es Gelegenheiten zum Fotografieren, ich mache reichlich Gebrauch davon. Nachmittags ist das Licht, finde ich, sowieso am schönsten.
Unter Einsatz meines Lebens Gleichgewichtssinns wandele ich auf den oben abgebildeten, stark schaukelnden Steg, um den beeindruckenden Lapporten zu fotografieren.
Der Blick über den See mit Häuschen ist auch noch ein schönes Motiv, dann begebe ich mich aber lieber wieder auf festen Boden.
Die Sicht is beeindruckend, das Wetter ist in Seenähe sehr frisch-windig, vom See entfernt fast schon warm. Angeblich sind es nur 11 Grad, fühlt sich aber ohne Wind deutlich wärmer an.


Der Baum sagt, es windet.
Jenseits der Flussmündung befindet sich ein Vogelschutzgebiet, wir sehen aber keine Vögel im Vorbeigehen. Zum genaueren Beobachten fehlt uns aber auch die Muße, es wartet noch ein landschaftliches Highlight auf uns.

Zugegeben, die Bildkomposition ist nicht die spektakulärste, aber ich finde die herbstlich roten Pflanzen hier einfach schön.
Die Pilzsaison ist hier auch in vollem Gange.
Wir folgen dem Abiskojokk von der Mündung flussaufwärts. Leider ist hier ziemliches Gegenlicht, aber bei Rundreisen kann man die Tageszeit an den Zielen manchmal nur bedingt auswählen.
Schöne Steine liegen hier jedenfalls am Ufer herum.
Das Ufer wird immer felsiger.


Wir nähern uns jetzt unserem heutigen Highlight, der Schlucht, durch die der Abisjokk hier in Richtung See fließt. Ich lasse wie so oft mal ein paar Bilder sprechen.


Inzwischen ist die Schlucht nicht mehr zu verleugnen.
Die schroffen Felsen haben tolle Muster.
Wir folgen dem Abisjokk weiter flussaufwärts. Die Landschaft begeistert uns hier ziemlich.



Hier erkennt man die Schichten aus metamorphem Vulkan- und Sedimentgestein.

Es gibt sogar einen Pegel zur Wasserstandsmessung hier. Auch noch einen ausgesprochen hübschen.

Außerdem liegt hier noch ein sehr schön geschichteter Fels in der Gegend herum.

Die Schlucht ist einfach aus jeder Perpektive schön, finden wir.
Hier liegt ein sehr beeindruckendes Nationalparklogo mitten in der Landschaft herum.
Oberhalb unterhält sich gerade eine Exkursionsgruppe der Uni Mainz über ihre Elchsichtung auf dem Weg hierhin. Ich hake nach und erfahre, dass sie diesen auf der Stecke gesehen haben, die wir gleich noch fahren werden. Ich hege leise Hoffnung. Bis dahin muss aber noch ein nicht ganz so eingeplantes Highlight, das einfach nur mit "Waterfall" auf der Karte eingezeichnet war, bewundert werden. Es trägt laut Beschilderung den Namen "The Hole in The Rock" und sieht auf den ersten Blick wie ein beeindruckender Wasserfall, der aus einer Höhle fließt, aus.


Das Schild mit der Erklärung habe ich der Einfachheit mal abfotografiert. Ich kann es sonst auch gar nicht so richtig in Worte fassen, was man hier gebaut hat.
Beeindruckt setzen wir unseren Weg noch etwa einen Kilometer flussaufwärts fort und folgen hier dem Anfang des Kungsleden, einem 440 km langen Weitwanderweg von Abisko nach Hemavan in Västerbotten. Auch hier ist es noch beeindruckend felsig am Wasser entlang.





Manche Pflanzen sind schon sehr schön herbstlich rot.
Der Rückweg zum Startpunkt geht noch idyllisch über Stege durch einen Birkenwald...
... und damit sind wir auch schon am Ende unserer kleinen Wanderung für heute.

Zum Glück haben wir jetzt auch nur noch knapp 10 km zum Hotel Björkliden vor uns. Im Zimmer begeistert die Elchgarderobe an der Wand. Außerdem lenkt sie vom nicht so schicken Teppich ab.
Der Ausblick ist auch nicht zu verachten.
Nach einer Dusche zieht es uns vorbei an der gemütlichen Sitzecke mit Kamin und Elchgeweih ins Restaurant.
Sehr zu unserer Freude haben sie unser Lieblings-"A Ship Full of IPA" von Brutal Brewing auf dem Zapfhahn. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste bis Luleå damit warten. Es gibt also Kulturgut mit Aussicht.
Dazu Knäckebrot mit salziger Butter und geräuchertes Rentier als Vorspeise.
Als Hauptgericht wählt der Gatte Köttbular vom Elch aus Rache dafür, dass sich uns mal wieder keiner gezeigt hat. Ich bevorzuge den heißgeräucherten Lachs mit Meerettich und Kartoffelsalat.
Für einen kleinen Nachtisch ist auch noch Platz, Holundertiramisu mit Beeren für den Gatten und Dulce de Leche Eis mit warmen Moltbeeren für mich.
Danach geht es mit einem zweiten Schiffchen voll mit IPA in die gemütliche Kamin-Ecke zum Fotos Bearbeiten und Blog-Schreiben.

Rentier-Counter: 13
Elch-Counter: 0, aber Köttbular und die Sauce waren hervorragend. 

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